Ein ganzer Kerl

Kinderfilmfestival 2021

Ein ganzer Kerl

| Bettina Schuler |
Brüder können unzertrennlich sein, sogar wenn einer nicht mehr da ist. Das überwinden eines Traumas wird hier gleichsam packend wie charmant erzählt.

Es gibt nur diese eine Welt, darin sind sich wohl alle Menschen einig. Das Problem ist jedoch: Wir sehen sie alle aus einer anderen Perspektive. So ist für den einen die Schule der beste Ort der Welt, weil er dort zu den ganz coolen Jungs gehört, während sie für den anderen ganz gewiss die Hölle auf Erden ist. Denn er weiß, dass er, ganz gleich, was er sagt oder trägt, immer zu den unbeachteten Außenseitern gehören wird.

So ergeht es auch Tom (Thomas Guy), der das genaue Gegenteil seines sportlichen Bruders Léo (Benjamin Voisin) ist und sich am Wochenende lieber hinter seinen Büchern versteckt, anstatt mit den anderen Jungen um die Häuser zu ziehen. Als Léo bei einem gemeinsamen Autounfall ums Leben kommt, zieht sich Tom in seinem Schmerz immer weiter zurück. Doch zum Glück lässt sein geliebter Bruder ihn auch in dieser für ihn so schwierigen Zeit nicht im Stich, und tatsächlich coacht ihn Léo noch aus dem Jenseits so lange mit klugen Ratschlägen, bis das Herz des hübschesten Mädchens Tom gehört.

Trotz der Schwere seines Themas ist der französische Film Ein ganzer Kerl (ab 14) kein schwer verdauliches Werk. Das liegt ganz sicher auch an dem Talent des Regisseurs Benjamin Parent, der dieser innigen Brüder-Geschichte mit ihren flapsigen Dialogen und ihrem flotten Tempo eine ordentliche Portion Leichtigkeit verpasst, wie man das aus französischen Filmen eben kennt.