Ghostbusters

Filmkritik

Ghostbusters: Legacy

| Oliver Stangl |
Geister der Vergangenheit: Vater und Sohn Reitman bemühen sich, die Kult-Franchise zu reanimieren.

Der erste Ghostbusters (1984, R: Ivan Reitman) war ein Instant-Popkulturphänomen, das Humor mit dem damals sehr hippen Übersinnlichkeits-Thema verband und von einem überaus spielfreudigen Ensemble (u. a. Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson, Sigourney Weaver) getragen wurde. Ray Parker Juniors Titelsong stürmte die Charts, die Zeichentrickserie The Real Ghostbusters lief jahrelang, Actionfiguren und Merchandise, auf dem meist das Logo mit dem durchgestrichenen Geist prangte, gingen weg wie warme Semmeln, und Sätze wie „Do not cross the streams“ können Fans heute noch auswendig. Das von Produktionsproblemen geplagte Sequel Ghostbusters II (1989) hatte zwar nette Einzelmomente, wirkte über weite Strecken aber wie ein Abklatsch von Teil 1. Ein möglicher dritter Teil scheiterte unter anderem daran, dass Murray und Ramis sich während der Dreharbeiten zu Groundhog Day (1993) zerstritten hatten. Dann war es länger ruhig um die Geisterjäger – bis 2016. Doch je weniger Worte man über Paul Feigs katastrophal unlustigen All-Female-Reboot verliert, desto besser.

Nun also ein Mix aus Reboot und Sequel, bei dem Vater Ivan Reitman als Produzent und Sohn Jason Reitman als Regisseur fungieren. Die Handlung von Ghostbusters: Legacy (so der megageile deutsche Titel von Ghostbusters: Afterlife) spielt im ländlichen Oklahoma, wo der kürzlich verstorbene Egon Spengler seiner entfremdeten Tochter Callie (Carrie Coon) ein heruntergekommenes Haus hinterlassen hat. Als mysteriöse Erdbeben auftreten – haben diese etwas mit einem Okkultisten zu tun, der früher hier eine Mine betrieb? – ist es gut, dass Callies zwölfjährigeTochter Phoebe (McKenna Grace), die so genial wie sozial ungeschickt ist, die Hinterlassenschaft Egons entdeckt: Unter Mithilfe neu gefundener Freunde macht sie sich – inklusive Protonenstrahler und Ghostbusters-Mobil Ecto-1 – auf Geisterjagd.

Was lässt sich sagen? Der Film ist um ein Hauseck besser als die 2016er Version – und respektiert über weite Strecken die beiden Originalfilme. Die erste Filmhälfte, als Egons Hinterlassenschaft langsam ans Tageslicht kommt, ist denn auch ganz nett – hier kommt der Film als eine mit vielen Zitaten gespickte Ghostbusters-Version für die Stranger Things-Generation daher. Allerdings wird mit zunehmendem Verlauf der Handlung ein bisschen zu stark auf Nostalgie gesetzt – das geht so weit, dass das Finale jenem von Teil 1 fast bis aufs Haar gleicht. Auch übernatürliche Stars von früher – darunter Slimer oder der Marshmallow Man – werden kopiert (aus Slimer wird Muncher) oder variiert (Marshmallow-Wichte). Mit früheren Filmen wie etwa Up in the Air hat Jason Reitman größere Originalität bewiesen.

Die Teenager spielen zufriedenstellend, auch wenn die Charaktere, die sie verkörpern, nicht unbedingt viel Tiefgang haben. Unter den neuen Figuren ist es vor allem Paul Rudd als nerdiger Lehrer, der mit bewährt komischem Talent zu überzeugen weiß (etwa, wenn er seinen Schülern blutige Horrorfilme aus den Achtzigern zeigt). Man kann es billig finden oder nicht, aber wenn schließlich die Cameos der Originalstars erfolgen – inklusive Geistererscheinung des 2014 verblichenen Harold Ramis! – wird der eine oder andere Fan des Originals wohl eine Träne der Rührung verdrücken.

Um jeden Preis hätte man den Film zwar nicht machen müssen, aber für Fans ist Legacy immerhin das, was einem offiziellen dritten Teil am nächsten kommt. Als harmloser Spaß funktioniert das schon.