Netflix | Filmstart

Don't Look Up

| Pamela Jahn |
Demnächst im Kino, ab Weihnachten auf Netflix: Ein riesiger Komet hält in Adam McKays bitterschwarzer Satire halb Hollywood in Atem.

Manche Entscheidungen sollte man nicht der Politik allein überlassen. Entscheidungen, die das Klima betreffen zum Beispiel. Migrationsfragen auch lieber nicht. Schon gar nicht globale Pandemien. Aber auch mit riesigen Kometen tun sich die Staatsmänner und -frauen in Adam McKays Don’t Look Up sichtlich schwer – und die Menschen, denen sie Führung und Stütze sein sollen, tun es ihnen gleich.

Am Anfang zeigt sich zumindest noch die Wissenschaft begeistert, als Astronomie-Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) eines Tages unverhofft einen Kometen in der Umlaufbahn unseres Planeten ausmacht. Sofort teilt sie die Entdeckung ihrem Vorgesetzten Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) mit, der unverzüglich ein paar Berechnungen vornimmt. Dabei stellt sich heraus, dass der mehrere Kilometer umfassende Brocken im All auf direktem Kollisionskurs mit der Erde steht. Sollte es tatsächlich zu einem Zusammenprall kommen, wäre die Menschheit und alles Leben in Nullkommanichts dahin. Aber noch bleibt Zeit, das Schlimmste zu verhindern: Sechs Monate und 14 Tage, um genau zu sein.

Mit diesem Befund versuchen sich Mindy und Dibiasky schließlich an oberster Stelle Gehör zu verschaffen, doch im Oval Office hat man ganz andere Probleme, und so rät die US-Präsidentin Orlean (Meryl Streep) lediglich dazu, erst einmal abzuwarten und die Situation zu evaluieren. Empört über so viel Unverständnis, gehen die beiden Wissenschaftler daraufhin mit ihren brisanten Neuigkeiten zur den Medien, wo man ihnen angesichts ihrer sozialen Inkompetenz und Fernsehuntauglichkeit nicht viel mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Die Idee, auf der McKays Drehbuch beruht, ist simpel, längst bekannt und könnte doch aktueller kaum sein: Das Ende der Welt steht vor der Tür, aber keiner tut etwas dagegen. Oder zumindest nicht genug. Nicht mit der nötigen Zugkraft, um die Massen zu bewegen. Und sowieso nicht schnell genug. Dazu kommen Machtspiele, Geld und Größenwahn, und die eigentliche Katastrophe ist perfekt. So läuft es auch in Don’t Look Up, nur leider setzt McKay in seiner bitterschwarzen Satire allzu sehr auf grobe Figurenzeichnungen, platte Gags und alte Klischees, anstatt mit Feingefühl, Präzision und raffiniertem Witz an die Sache zu gehen.

Natürlich können DiCaprio, Lawrence und Streep, dazu Mark Rylance als jesusartiger Tech-Visionär, Timothée Chalamet im Skater-Look und Cate Blanchett als ungenierte TV-Moderatorin einiges herausholen, um die 145 Minuten Laufzeit kurzweilig erscheinen zu lassen. Immerhin konnte McKay scheinbar halb Hollywood für sein attraktives Projekt begeistern. Aber am Ende kommt außer einer Menge Stars und viel gutem Willen zu vieles zu kurz im Film, um den gewünschten Effekt zu erzielen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.