Filmstart

La Dea Fortuna – Die Göttin des Glücks

| Jakob Dibold |
Mamma mia, plötzlich Papa-Paar – klingt nicht nach gelungener Gefühlsstudie, ist es aber.

Die Ekstase der Hochzeitsgesellschaft, durch die sich quirlig eine Handykamera Weg und Bilder bahnt, wird von einer Zuspätkommenden unterbrochen. Alessandro und sein Partner Arturo, die ihre Wohnung für die Feierlichkeiten zur Verfügung gestellt haben, reagieren unterschiedlich auf die Ankunft von Annamaria: der eine überschwänglich und zärtlich, der andere zurückhaltend und leicht vergrämt.

Als in Folge eines Krankenhausaufenthaltes, für den sie offenbar eigentlich nach Rom angereist ist, die zwei Kinder Annamarias den beiden Freunden anvertraut sind, stellt das den Alltag und das Zusammenleben der beiden nicht nur harmlos auf den Kopf: Nicht, dass die „bambini“ selbst etwas dafür könnten, doch ihre Präsenz ist Öl ins stumme Feuer einer Beziehungskrise. Als ernster in Gefahr als die Liebe des langjährigen Paars erweist sich zu allem Überfluss noch die Gesundheit von Annamaria, die wiederum einem der beiden Männer noch nähersteht als der andere weiß.

Stillstand, Leidenschaftslosigkeit und Vertrauensrisse innerhalb einer Partnerschaft, die Verantwortungsdimensionen von Freundschaft und die kindliche Wahrnehmung ihnen naher Krisen – all das gießt Ferzan Özpetek in klischeefreie Bilder der Ewigen Stadt. Getrieben davon, dass das letzte Wort doch wieder nicht das letzte ist – wenn es überhaupt hörbar ausgesprochen wird – hantelt sich die Handlung entlang dieser Stränge ziemlich linear vorwärts, allerdings auf Wegen, die von einem glücklichen Ende wegzuführen scheinen. Özpetek findet dabei einmal mehr die Balance, die es braucht, um nicht-heterosexuelle Lebensweisen als selbstverständliche Normalität zu inszenieren, die gesellschaftlichen Barrieren, die ihnen immer noch entgegengebracht werden, aber ebenso wenig zu ignorieren. Und auch die Perspektive der Kinder wird gekonnt weder über- noch unterstrapaziert.

Im Grunde ist La Dea Fortuna ein sehr unspektakulärer Film über amouröse, freundschaftliche und familiäre Liebe, ein Drama mit ein paar fröhlichen und vielen bedrückenden Momenten. Smart und besonders wird er immer dann, wenn er einschneidende Geschehnisse geradezu hastig überwindet, um seine Charaktere sogleich dabei zu zeichnen, wie sie mit der veränderten Situation fertig werden. Leicht öde wiederum, wenn er Szenenpotenziale durch Regentänze oder dergleichen beendet. Ein Drahtseilakt zwischen Mainstream und Arthouse, der zwar keine Weltsensation darstellt, dafür aber unfallfreie, ordentliche zwei Stunden zum Weinen und Lächeln und Nachdenken. Und das ist ja nicht nichts.