A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani

Filmkritik

A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani

| Pamela Jahn |
Asghar Farhadi findet in der iranischen Heimat zur alten Höchstform zurück.

Wie viel kostet die Freiheit? Rahim Soltani (Amir Jadidi) kennt die Summe, aber er kann sie nicht zahlen. Er sitzt im Gefängnis, weil er sich als Geschäftsmann verkalkuliert hat. Am Ende wuchsen ihm die Schulden über den Kopf. Dazu kommen die privaten Verwicklungen: Rahim ist geschieden, sein Sohn hat an einen Sprachfehler und Schwierigkeiten in der Schule, und sein Gläubiger ist ausgerechnet Bahram, der Bruder seiner Ex-Frau. Zudem macht die lange Trennung zwischen den Freigängen seiner neuen Freundin Farkondeh ebenso zu schaffen wie ihm selbst. Als er für zwei Tage Strafurlaub aus der Haft entlassen wird, versucht er seiner misslichen Lage ein Ende zu bereiten. Eine Handtasche mit Goldmünzen, die Farkondeh an einer Bushaltestelle gefunden hat, könnte seine Rettung bedeuten.

Doch der Tauschkurs steht schlecht, nicht einmal die Hälfte des fehlendes Geldes ließe sich damit begleichen. Außerdem plagt Rahim sein schlechtes Gewissen. Also beschließt er, den Fund stattdessen bei der Polizei zu melden. Und noch bevor er weiß, wie ihm geschieht, wird er plötzlich von allen Seiten für seine Ehrlichkeit gerühmt. Sogar eine Spendengala wird organisiert, um ihm dabei zu helfen, seine Gefängniszeit zu verkürzen. Nur Bahram, der hinsichtlich der Rückzahlung der Schulden keine Gnade kennt, vermutet eine Intrige hinter der gefeierten Heldentat – und es dauert nicht lang, bis sich das Glück erneut gegen Rahim zu wenden scheint.

A Hero beschreibt eine Tragödie, wie sie menschlicher nicht sein könnte. Und wohl kaum jemand anderer könnte sie besser in Szene setzen als Asghar Farhadi. Bereits für frühere Meisterwerke wie Nader und Simin – eine Trennung und The Salesman, die sich stets um Werte wie Ehre, Wahrheit, Ansehen und Respekt innerhalb der iranischen Gesellschaft drehten, wurde der zweifache Oscar-Preisträger mit Auszeichnungen überhäuft. Und nach einem etwas unglücklichen Ausflug ins fremdsprachige Kino mit dem in Spanien spielenden Drama Offenes Geheimnis kehrt der Regisseur nun in seine Heimat zurück, um mit einer fein konstruierten Moralgeschichte aufzutrumpfen. Die subtile Kraft und innere Wärme seiner frühen Werke sind dabei ebenso präsent wie seine offenkundige Ambivalenz gegenüber seinem Helden, mit der dieser Film das Publikum in seinen Bann zieht.

So wird aus einer anfangs leichten und bisweilen schwankhaften Inszenierung bald ein vertracktes Drama mit schmerzlichen Untertönen und einer bis in die Nebenrollen sorgfältig aufeinander abgestimmten Besetzung, die auch geringe Schwächen im Drehbuch geschickt zu überspielen versteht.