Vorsätzlich unangenehmer Art-Horror über gewohnte Schwellen hinaus
Nachdem der Künstler und Filmemacher Johannes Grenzfurthner der Nerd-Kultur zuletzt (Glossary of Broken Dreams, 2018)
einigermaßen dokumentarisch nachgespürt hat, geht er in seinem aktuellen Film nervenzehrend tief in die Materie. Die Materie, das ist hier die Psyche eines Mannes mit rätselhaften Tinnitus-Beschwerden, der sich angesichts mangelhafter medizinischer Betreuung selbst an die Ursachenfindung seines Leidens macht. Unter die Haut greifbar wird diese Psyche dann auch durch Materielles – die rastlos mit immer manischerem Voiceover-Monolog voranpreschende One-Man-Show arbeitet beinahe ausschließlich mit dem unbehaglich Nahen: Saftige Makroaufnahmen von allerlei organischen und anorganischen Untersuchungsgegenständen vermengen sich mit rasanten Sprüngen durch Computer-Displays zu einem verstörenden Strudel des Realitätsverlusts.
Bald schon denkt der Protagonist, der zwar als homosexuell und traumatisiert und deshalb bewusst nicht als klassischer „Incel“ gezeichnet wird – wenngleich sich sein starkes Gefühl des Missverstanden-Werdens und seine davon befeuerte Paranoia final auch auffällig gegen Frauen entladen – etwas ganz Großem auf der Spur zu sein, einer Weltformel beinahe. Der primär gesichtslos Gezeigte schlittert in eine selbstgebastelte Theorie über das Leben an sich und verliert dabei auch die Achtung vor selbigem. In einer kurzen Sequenz mag man eine Anspielung auf The Happening (M. Night Shyamalan, 2008) entdecken (… es sind die Pflanzen!?), doch Masking Treshold (der Titel bezieht sich auf einen Fachterminus aus Tontechnik und Akustik) und sein Anti-Mark-Wahlberg wirbeln viel eher in der Tradition von viel früherem, experimentellerem Sci-Fi-Horror wie etwa Saul Bass’ Phase IV aus 1974; auch durchaus in punkto Sound, hier elektrisierend nebst anderen von der Wiener Underground-Ikone Tina 303.
Dass und wie der kaum Atempausen machende – oder gewährende – Trip in die mentale Schmelze sein ungewöhnliches Grauen dann schlussendlich doch in einen eher schalen Schlusspunkt aufgibt, mag mehr oder weniger verstimmen. Spannender wäre es vielleicht geblieben, wenn die gedankliche Raserei des im dunklen Keller sich selbst Erleuchtenden nicht nur auf eine Konsequenz hin erzählt wird – vor allem auch deshalb, weil der Slasher-Faktor nicht nur ziemlich aufgezwungen wirkt, sondern auch nahelegt, dass wichtige Aspekte des zur Schau gestellten Zerbröselns eines Mannes einfach ausgespart werden. So ist Masking Threshold ein forderndes Kunstwerk, das sich vorwerfen lassen muss, sehr willkürlich zu analysieren.
