Filmstart

Dear Future Children

| Kay Hoffmann |
Intensive Bilder vom rebellischen Puls der Zeit

Der Dokumentarfilm porträtiert drei Aktivistinnen, die für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen kämpfen. Hilda gründet in Uganda ‚Friday‘s for Future‘ und kämpft gegen Umweltverschmutzung. Rayen in Santiago de Chile und Pepper in Hongkong gehen für mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit auf die Straßen. Das junge Team wollte nicht einen weiteren Film über den Aufbruch der Jugendlichen drehen, sondern aus den Bewegungen heraus. Deshalb arbeiteten sie eng mit den Gruppen und Organisationen vor Ort zusammen.

Insgesamt hatten sie elf Länder recherchiert, aus denen für den Film drei ausgewählt wurden. Es war wohl eher Zufall, dass ihr Fokus auf drei Frauen liegt. Sie repräsentieren am besten die drei Bewegungen und waren bereit, vor die Kamera zu treten. Das war keine Selbstverständlichkeit. Denn Dreharbeiten und eine solche mediale Präsenz bergen zusätzliche Risiken. Obwohl von einem sehr jungen Team realisiert – der Regisseur Franz Böhm ist 22 Jahre alt – ist es ein hochprofessioneller und persönlicher Film, der aktuelle Debatten um die Zukunft der Gesellschaft befeuert. Die Dreharbeiten waren gefährlich für das Team, vor allem in Hongkong und Santiago, bei dem die Polizei nicht unbedingt Rücksicht auf sie nahm. Kameramann Friedemann Leis wagte sich mit Böhm bei den Straßenkämpfen in die vorderste Linie. Seine Bilder sind dynamisch und werden durch das Sounddesign und die Musik perfekt unterstützt.

Dear Future Children ist ein sehr politisches Projekt. Eine Aktivistin, die in Hongkong das Team maßgeblich unterstützte, wurde für ihre Proteste verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Filmteam wurde mit Haftbefehl gesucht und es gab Hackerangriffe, Morddrohungen usw. Dies hatten sie erwartet und sich vor den Dreharbeiten um Schutz durch deutsche Stellen bemüht. Diese gaben schließlich den Rat, auf die Dreharbeiten in Hongkong lieber zu verzichten. Das Team bekam dann Unterstützung von Studierenden der amerikanischen Harvard-Universität. Diese entwickelten Strategien, die die Produktion vor solchen Angriffen gut schützten. Sie gingen sogar zum Gegenangriff über: Vermeintliche Produktionsunterlagen wurden mit Trojanern versehen. Als chinesische Radikale sie hackten, konnte man nachverfolgen, wer diese Information nutzte; es kam zu Anklagen vor internationalen Gerichten. Aber das ist schon fast ein Film für sich.