Filmstart

Cop Secret

| Oliver Stangl |
Lethal Deppen

Der Reykjaviker Polizist Bússi (Auðunn Blöndal) ist auf den ersten Blick ein Actionheld, wie man ihn aus zahlreichen Hollywoodfilmen kennt: schlag- und schießfreudig, zynisch, sich nicht an die Regeln haltend, immer im Streit mit übelgelaunten Vorgesetzten, trinkfest, unrasiert und mit zu wenig Zeit für die Lebensgefährtin. Aktuell ermittelt der optisch stark an Jason Statham erinnernde Kieberer in einer Reihe von Banküberfällen, bei denen nie etwas gestohlen wird und hinter denen eine obskure Gruppierung zu stehen scheint. Zur Unterstützung wird ihm Hörður (Egill Einarsson) zur Seite gestellt, ein gleichfalls schießfreudiges Mannsbild von einem Polizisten, allerdings gepflegter und finanzstärker. Während der Ermittlungen gibt es mal hier eine zufällige Berührung, mal da einen Verwirrung auslösenden Blick – und schließlich verliebt sich Bússi, der seine Homosexualität stets zu verdrängen versuchte, in Hörður. Kann er mit seinen Gefühlen ins Reine kommen und quasi nebenbei die mysteriösen Überfälle klären? Bússi, Bússi.

Was als Satire auf das Actionkino im Allgemeinen und das Buddy-Cop-Genre im Besonderen beginnt, wird nach ungefähr einem Drittel der Lauflänge allmählich zur Coming-Out-Komödie. Hannes Þór Halldórsson, seines Zeichens Torhüter der isländischen Fußballnationalmannschaft, ging es offenbar darum, das Thema Vorurteile auf isländische Art – also mit exzentrischem Humor – zu verarbeiten. Schade, dass dies in seinem Regie- und Drehbuchdebüt auf eher plumpe Weise über die Bühne geht. Den Motiven respektive Stereotypen des Actionkinos hat er wenig entgegenzusetzen, zumal auch die Inszenierung von Shootouts und Autoverfolgungsjagden ziemlich konventionell daherkommt (was zum Teil vielleicht auch am im Vergleich mit Hollywoodproduktionen niedrigen Budget liegt).

Die Figuren – von den Cop-Hauptrollen über den ängstlichen Sidekick bis hin zum bösen, sich mit dem Bowiemesser rasierenden Gangsterboss – transzendieren ihre vordergründigen Funktionen nicht und bleiben letztlich Schablone. Zu forciert wirkt der Ideenmix. Auch Ideen wie ein Frauenfußballspiel – Island gegen England –, das am Kulminationspunkt der Handlung ausgetragen wird, reißt da nicht viel heraus. Andererseits ist Humor (zumal isländischer) natürlich Geschmackssache, und irgendwo wird es schon Publikum geben, das sich vom spezifischen Genre-Mix unterhalten fühlt.