Henry – Portrait of a Serial Killer

Blu-ray/Ultra HD

Henry – Portrait of a Serial Killer

| Ralph Umard |
Das naturalistische Mörder-Porträt in restaurierter Fassung mit viel Bonus.

Henry hat ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Mal tritt er ihnen als Kavalier gegenüber, mal als Killer. Als Massenmörder hat er sich auf das weibliche Geschlecht spezialisiert; tötet er mal Männer, so geschieht das eher zufällig und ungeplant. Seiner Freundin Becky erzählt er, er sei als Kind gezwungen worden, seiner Mutter bei der Arbeit als Prostituierte zuzuschauen. Dabei musste er Mädchenkleider tragen. Seinen Freund Otis führt er in die Methodik des Mordens ein: „Mach es nie zu einer persönlichen Sache … schau dir die Welt an, entweder sie, oder du.“

Als der Film fertig war, lag er lange auf Halde. Den ursprünglichen Produzenten war er nicht reißerisch genug, den Zensoren jagte er Angst ein. Als McNaughton nachfragte, was er denn kürzen sollte, um die Klassifizierung „X“ zu vermeiden, sagte eine Zensorin: „Ich kann Ihnen nicht sagen, was sie wegschneiden sollen. Wahrscheinlich sollten Sie alles wegschneiden.“

In lakonisch-naturalistischem Stil wird die Arbeit eines Killers entmystifiziert. Mittels dramaturgischer Tricks wird der Zuschauer in die Rolle des Täters gezwungen. Es gibt kein Entkommen aus der suggestiven Gewalt des Films, es gibt mit einer Ausnahme keinen Ausweg in den Humor. Dieser Film mit verstörendem Soundtrack ist nicht lustig. Er macht betroffen. Er macht einem den Wahnsinn und die Banalität des Tötens klar. Michael Rooker als cooler Killer, Tom Towles als mörderisches Arschloch und Tracy Arnold als hoffnungslose Schickse sind die ultimative Besetzung in einem singulären Meisterwerk, das auch 36 Jahre nach seiner Entstehung kontroverse Reaktionen provozieren wird. Dank vorliegender Neuveröffentlichung lässt sich der Film nun in 4K (Restauration vom Original-16mm-Negativ, Ultra HD Blu-ray und Blu-ray) betrachten, dazu gibt es stolze 220 Minuten Bonusmaterial sowie drei limitierte Cover zur Auswahl.