Pulsierendes Kino mit viel Unterhaltungswert, auch ohne Tiefgang
Ana Lily Amirpour hat Spaß bei der Arbeit, das merkt man ihren Filmen an. Man kann es sehen und hören und fühlen. Die Genre-Variationen sind gewagt, provokant und nicht für jeden Geschmack. Ihr Spielfilmdebüt A Girl Walks Home Alone at Night (2014) war eine geheimnisvolle, in betörendem Schwarzweiß gedrehte Vampirgeschichte mit Retro-Allüren und Spaghetti-Western-Musik. Darauf folgte kaum zwei Jahre später The Bad Batch, in dem sie eine klassische Boy-meets-Girl-Romanze als Endzeitvision mit Kannibalen, Drogenpartys und zartrosa Sonnenaufgängen erzählte. Anschließend zog sich die in England geborene US-Regisseurin mit iranischen Wurzeln für einige Zeit ins Fernsehen zurück. Und vielleicht hat Mona Lisa and the Blood Moon auch deshalb so eine elektrisierende Wirkung, weil man Amirpours ungeniert draufgängerische Art in den letzten Jahren im Kino vermisst hat.
Zunächst treffen wir die titelgebende Mona Lisa Lee (Jeon Jong-seo) in einer Gummizelle und mit einer Zwangsjacke bekleidet. Seit zwölf Jahren lebt sie nun schon eingepfercht in einer psychiatrischen Anstalt außerhalb von New Orleans. Die Hintergründe sind unklar, ihr starrer Blick wirkt dafür umso bedrohlicher. Denn Mona Lisa kann, wenn sie will, mittels telepathischer Kräfte den Geist und das Handeln der Menschen kontrollieren. Sie kann dafür sorgen, dass sie sich selbst schlagen, erstechen oder eine Kugel ins Knie jagen. Und sie kann ihnen problemlos das Geld aus der Tasche locken. Das jedenfalls denkt sich Bonnie (Kate Hudson), die im berüchtigten French Quarter von New Orleans als Stripperin arbeitet, um sich und ihren zehnjährigen Sohn Charlie über Wasser zu halten. Als Mona Lisa in einer Vollmondnacht die Flucht ergreift und auf Bonnie trifft, bilden die beiden Frauen eine Zweckgemeinschaft, die jedoch schnell an ihre Grenzen gerät. Dafür sorgt nicht zuletzt Officer Harold (Craig Robinson), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Straßen der Stadt zu säubern, auch wenn sein Vorhaben noch so aussichtslos erscheint.
Amirpour tränkt ihren Film ins Neonlicht der Striplokale auf der nächtlichen Bourbon Street und in einen pulsierenden Score, der auf jede ihrer Figuren individuell abgestimmt ist. Darin liegt einer der großen Stärken der Regisseurin, die jahrelang Sängerin einer Indie-Rockband war, bevor sie das Mikrofon gegen eine Kamera eintauscht hat. Dass weder ihre Protagonistinnen noch ihr Film insgesamt sonderlich von Tiefe zeugen, darum geht es hier nicht. Mona Lisa and the Blood Moon ist ein filmischer Rausch für die Sinne, der zwischen Thriller-Elementen, Lo-Fi-Fantasy-Drama, Grunge, Club- und Popmusik sowie einem Anflug von Zuneigung und Freundschaft changiert.
