Filmstart

It Works II

| Marie Ketzscher |
Empathisches Porträt

Ein D, dann verharren die Finger wieder über der Tastatur und suchen den nächsten Buchstaben. Ein A. Das Rumoren der Festplatte des alten Rechners passt auch auditiv zum langsamen Entstehen des Textfragmets von Gerald: „Das Schiff fährt übers Meer“. Geschafft, im eigenen Tempo. Dieses Moment des „geschafft“ ist das Thema des Kurzfilms it works (1998) von Fridolin Schönwiese, der vier Jugendliche mit körperlichen Behinderungen oder kognitiven Beeinträchtigungen porträtiert – und vor allem dabei zeigt, dass ihnen etwas gelingt, das ihnen am Herzen liegt. Nun also It Works II (2022), circa zwanzig Jahre später, keine essayistisch gehaltene Kurzfilmform, sondern eine fast zwei Stunden fassende Alltagsbeobachtung. Der musikbegeisterte Gerald ist inzwischen YouTuber unter dem Alias Golden G, Michael arbeitet in der Administration der ÖBB und liebt das Meer und Valentin macht verschiedene Hilfsjobs, zum Beispiel bei der Apfelernte – wenn er nicht gerade feiern geht. Alle drei sind dabei bei alltäglichen Handlungen auf Unterstützung angewiesen, nichtsdestotrotz sind sie ganz offenkundig, und das zu vermitteln ist dem Regisseur eindeutig ein Anliegen, autarke Menschen mit eigenen Charakteren und Bedürfnissen.

It Works II macht aber natürlich auch bewusst: Vielleicht wäre diese Autarkie an anderen Orten auf der Welt und ohne die gleiche soziale Infrastruktur gar nicht möglich. Im Kurzfilm arbeitete Schönwiese noch mit zum Teil verfremdeten Kompositionen und Sounds, entschied sich auch manchmal dazu, Protagonisten nur auf der Tonebene auftreten zu lassen. Gerade so, als würde er versuchen, potentiell andere Erfahrungswelten unterschiedlicher Menschen mit Behinderung auch ästhetisch experimentierend abzubilden. Im Fall der Fortsetzung It Works II ist die Inszenierung hingegen sehr klassisch, Schönwieses Hauptfiguren sind dabei abwechselnd zu sehen. Der Alltag wird ausführlich gezeigt, zum Teil zu ausführlich. Normalität eben. Vielleicht auch deshalb, weil der heutige Diskurs um Inklusion eher dazu beiträgt, eben nicht das vermeintlich „Andere“ zu fokussieren, sondern eher die Gemeinsamkeiten von Menschen mit und ohne Behinderung herauszustellen. Einzig bei Valentin verrutscht plötzlich der Ton, wird das Bild verschwommen. Warum nur bei Valentin, warum überhaupt? Diese Inkonsequenz erschließt sich nicht und wirkt bei aller Relevanz des Films etwas hilflos.