Lange ist sie her, die große Zeit des künstlerischen Filmplakats. Seien es russische Avantgarde-Motive der Zwanziger oder Achtziger-Jahre-Action-Poster aus Europa oder den USA (von Belmondo bis Schwarzenegger): Das alles passte wunderbar zum Analog-Charakter des damaligen Kinos und zeigte obendrein, dass sich hier jemand richtig Mühe gegeben hatte. Filmstars wurden durch das Medium der Malerei nochmals überhöht – Ikonen im Wortsinn. Und wenn ein Poster die Charaktere nicht ganz lebensecht einfing, wie dies bei B-Movies oder Direct-to-Video-Ware nicht selten vorkam, konnte man sich immerhin gut amüsieren (ein eigener Fall sind die gerade aufgrund ihrer radikalen Abweichungen recht begehrten polnischen Poster zu US-Klassikern). Und dann kam Photoshop … Wie dem auch sei, einer der großen Plakatkünstler im deutschsprachigen Raum war der in Berlin tätige Westfale Josef Fenneker (1895–1956): Dieser schuf zwischen 1918 und 1924 mehr als 140 Plakate für das Marmorhaus am Kurfürstendamm. Fennekers Kunst spiegelt sowohl den damals populären Expressionismus wider als auch Themen und Sorgen der Zeit. Der Künstler hielt sich dabei nicht sklavisch an die Filmszenen, sondern ließ sich von Fotovorlagen zu eigenen Kreationen inspirieren, in denen die Figuren besonders prägnant hervortraten: düster, expressiv, aufs Wesentliche reduziert. Nun lassen sich die Meisterwerke in einem schönen Band aus dem Schüren Verlag betrachten; Autor Harald Neckelmann liefert zudem umfangreiche Informationen zur Biografie Fennekers sowie zum Kontext, in dem die Plakate entstanden.
