Local Heroes

| Günter Pscheider |

Überambitioniertes Debut über die Nicht-Karriere eines Wiener Rockmusikers

Henning Backhaus wollte in seinem ersten Langfilm als Autor und Regisseur offensichtlich eine jüngere Zielgruppe ansprechen: Sein (Anti)-Held ist Tommy, der Kurt Cobain verehrende Gitarrist und Sänger einer Wiener Rockband, die bei einer Talent-Show einen Plattendeal bei einem Majorlabel gewinnen will. Seine Mitstreiter sind der klassisch ausgebildete Pianist Laszlo und die allein erziehende Drummerin Josi. Als der notorisch unzuverlässige Tommy Laszlos labile Freundin Almut betrunken abschleppt, die Band im Halbfinale ausscheidet und seine vereinsamte Mutter stirbt, lässt er seinen selbstzerstörerischen Impulsen freien Lauf.

Einzelne Szenen transportieren durchaus gelungen das Lebensgefühl von Mitte-Zwanzigjährigen, die Schwierigkeiten haben, ihren Platz im Leben zu finden, zwischen halbherzig betriebenen Studien, künstlerischen Ambitionen und Assessment Centern. Leider konnte sich der Regisseur nicht entscheiden, welche Geschichte er eigentlich erzählen wollte. Tommy steht zwar eindeutig im Mittelpunkt der Handlung, aber für eine Charakterstudie ist seine Figur zu wenig entwickelt, viel mehr als das bald etablierte Bild eines sich nach Intensität verzehrenden Musikers, der mit Potenzproblemen kämpft und zwischen Größenwahn und Niedergeschlagenheit schwankt, bleibt am Ende nicht übrig. Für ein durchaus mögliches Ensembledrama bleiben die potenziell interessanten Nebenfiguren zu blass, und auch die Dreiecksliebesgeschichte wird bestenfalls angedeutet und nicht konsequent zu Ende erzählt.

Dazu versucht Henning Backhaus noch, die allgemeine Einsamkeit von Menschen und ihre Schwierigkeit zu kommunizieren aufzuzeigen, wobei die heikle Mutter-Sohn Beziehung in einigen kurzen Sequenzen sehr schön etabliert wird, aber auch dieses Thema schwingt zwar ständig im Hintergrund mit, ohne jedoch im Laufe des Films an Substanz zu gewinnen. Unglaubwürdige, klischeehafte Wendungen wie ein Selbstmordversuch aus heiterem Himmel und die Wandlung des braven Laszlo zum Bühnenberserker verstärken den unfertigen Eindruck des Drehbuchs. Die Schauspieler geben ihr Bestes, Thiemo Strutzenberger fehlt es nicht an Verletzlichkeit, allerdings nimmt man ihm die aggressive Seite der Rolle nicht ganz ab. Die Musik müsste bei einem solchen Film mehr im Vordergrund stehen, die Songs sind keinesfalls schlecht, aber auch nicht herausragend genug (wie auch der Promoter Jeff im Film bemerkt), um die behauptete Gefühlsintensität spürbar werden zu lassen. Local Heroes ist eine Talentprobe eines Filmakademiestudenten, der in einigen atmosphärisch dichten Szenen beweist, dass er das filmische Handwerk gelernt hat. Wie für viele österreichische Produktionen, die im Genrebereich (hier: spätes Coming-of-Age) Publikum anziehen wollen, gilt die Devise: Less is more. Die unterschiedlichen Themen schwächen einander und machen den Film nicht dichter, sondern substanzloser.