Eine Künstlerbiografie, erzählt anhand der Geschichte eines Songs; erhellend und berührend
Es gibt Lieder, derer wird man nicht überdrüssig. „Somewhere Over the Rainbow“, dargeboten von Judy Garland, gehört dazu; „Imagine“ von John Lennon, freilich; der eine und auch der andere Song von Bob Dylan, der quäkenden Stimme des Urhebers zum Trotz; „Sympathy for the Devil“ von den Stones und, logisch, „Hallelujah“ von Leonard Cohen.
Wobei anscheinend viele Leute recht lange der Meinung waren, dass der Song ursprünglich von Jeff Buckley erdacht und erstmals gesungen worden war, bevor den dann das Rockstarschicksal des tragisch frühen Todes ereilte. Der eigentliche Dichter des modernen Gesangsgebetes jedoch war zu diesem Zeitpunkt bereits um die Sechzig und abgeklärt genug, sich darüber nicht weiter aufzuregen. Ein weiterer Popularitätsschub folgte, als das Lied – oh Schreck! – in dem Computeranimationsfilm Shrek eingesetzt wurde – wohlgemerkt ohne die, von der dafür Verantwortlichen unter Gekicher solcherart apostrophierten, „naughty bits“: als da wären Zeilen wie „when i moved in you“ und „i tied you to the kitchen chair“. Zeilen, die sich in der zweiten Fassung des Songs von 1994 finden, dessen erste, 1984 entstandene, deutlich religiösere Züge trägt, und dessen genaue Strophenanzahl niemand kennt, wahrscheinlich nicht mal Cohen. Das eigentlich Groteske an der ganzen Geschichte aber ist, dass „Various Positions“ – das Album, auf dem sich der Song findet – von der US-amerikanischen Plattenfirma Columbia Records zwar produziert, dann jedoch nicht publiziert wurde. Weswegen „Hallelujah“ eben relativ lange im Obskuren dümpelte.
Mittlerweile gilt „Various Positions“ freilich als Meilenstein der Musikgeschichte. Doch nicht nur das, und auch nicht nur der Werdegang des Songs und seiner unterschiedlichen Einspielungen – darunter die getragen-tragische von John Cale, gleichfalls eine Wegmarke – erfährt man in dem Dokumentarfilm Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song. Dayna Goldfine und Daniel Geller nehmen „Hallelujah“ vielmehr zum Anlass, die Künstlerbiografie des Poeten und Singersongwriters Leonard Cohen zu erzählen. Ein einleuchtender Ansatz, mit dem sich eine gewisse Ordnung in ein Leben – bekanntlich generell eine eher notorisch unordentliche Angelegenheit – bringen lässt. Leonard Cohen via „Hallelujah“ mag der großen Dichtkunst des Mannes nicht immer Gerechtigkeit widerfahren lassen können, bringt uns aber den Musiker näher und das seiner Kunst inhärente lakonische Pathos.
