Ein filmischer Kraftakt ähnlich einem überambitionierten Spielzug
Die jungen Eishockey-Cracks der „Dragons“ bekommen eine neue Spielerin, nicht unbedingt gleich zur Freude aller Teammitglieder. Theresa, die „Neue“, stößt von der Konkurrenz kommend unerwartet zur Truppe rund um die resolute Kapitänin Mira und hinterfragt gleich einmal vorherrschende Muster. Ungeachtet dessen liegt bei Mira familiär gerade so viel im Argen, dass sie die Konzentration auf ihre Performance am Eis ohnehin nur schwer aufrechterhalten kann: Ihr dementer Großvater geht immer öfter auf „Wanderschaft“ und sucht ihren Bruder Paul – der ist aber schon seit geraumer Zeit nicht auffindbar. Als sich der Freigeist auf Bitten seiner Schwester dann doch wieder blicken lässt, leiden ihre Führungsqualitäten im Team als Konsequenz nur noch mehr, denn Pauls Präsenz kostet Mira erstens einiges an Nerven. Zweitens entpuppt sich gerade er als unverhoffter „Wingman“, der dafür sorgt, dass sie mit dem interessanten Neuzugang auch außerhalb des sportlichen Kontexts Zeit zu verbringen beginnt. Die gegenseitige Anziehung zwischen den beiden ist nicht mehr zu leugnen, doch vor allem die angespannte Gruppendynamik innerhalb der Dragons, die schließlich um einen Titel spielen, verhindert eine geradlinige Liebesgeschichte.
Konkret sind es klassische Bausteine aus Sport- und Familiendrama, die das amouröse Knistern immer wieder stoppen: Eifersucht, Neid und Leistungsdruck auf der einen, ein ständig brodelnder Konfliktherd aus Tochter, alleinerziehender Mutter und aufsichtsbedürftigem Opa auf der anderen Seite. Leider greifen die komplexen Gefühlsebenen der Hauptfigur jedoch immer nur sehr schemenhaft ineinander. Wie als Öl für verzogene Scharniere scheint die Bruderfigur den Geschehnissen immer wieder den nötigen Ruck geben zu sollen, doch der schmierig-coole Aufreißer-Typ ist recht offensichtlich ein solches Mittel zum inhaltlichen Zweck und mutet als Charakter geradezu befremdlich leer an. Schade, dass kein anderer Lösungsweg gefunden wurde.
Wenngleich Clara Stern in ihrem Langfilmdebüt das Bemühen, eine mitreißende, empathische Coming-of-Age-Lovestory zu erzählen nicht abzusprechen ist, wirkt Breaking the Ice insgesamt seltsam unentschlossen. Interdependenzen innerhalb der Familie, das soziale Gefüge Teamsport und junge, nicht-heterosexuelle Sexualität sind als Grundthemen solide dargelegt, doch als jene Art griffiges Gefühlskino, das es Szene um Szene sein zu wollen vermittelt, ohne aber je die dafür nötige Atmosphäre generieren zu können, fühlt sich dieses etwas konfus geratene Werk nie an, öfter schon als bild- und klangästhetisch leider etwas unfertig.
