Ein Western-Klassiker pflegt konsequent Anti-Heldentum.
Robert Aldrich legte in seinen Filmen eine Kompromisslosigkeit an den Tag, die ihn fast zwangsläufig auf Konfrontationskurs mit Hollywoods Studiosystem brachte (Robert Aldrich – Blick in den Abgrund). Ungeachtet dieser Konflikte erwies er sich als höchst vielseitiger Regisseur, der unterschiedliche Genres souverän zu meistern und dabei auch brisante Themen anzusprechen verstand.
Ein schönes Beispiel für Aldrichs Arbeitsweise ist der 1954 entstandene Western Vera Cruz, nach Apache eine weitere Zusammenarbeit von Aldrich und Burt Lancaster. Lancaster verkörpert den Revolverhelden Joe Erin, den es ebenso wie den von Gary Cooper gespielten Ben Trane, einen vormaligen Offizier der Konföderierten, nach Mexiko verschlagen hat. Obwohl der skrupellose Erin und der desillusionierte Trane höchst unterschiedliche Charaktere sind, schließen sie sich zusammen, um sich als Söldner für den von Frankreich inthronisierten Kaiser Maximilian in dessen Kampf gegen Präsident Benito Juarez und seine Anhänger zu verdingen. Mit der von Erin geführten Bande sollen sie eine Gräfin nach Vera Cruz eskortieren. Doch als man entdeckt, dass die Fahrt eigentlich dazu dient, eine Ladung Gold außer Landes zu bringen, lassen die Protagonisten nichts unversucht, sich der wertvollen Fracht zu bemächtigen. Die Allianz zwischen Erin, Trane und der Aristokratin erweist sich jedoch als höchst brüchig, Misstrauen und Verrat prägen den Umgang miteinander.
Formal und dramaturgisch setzt Aldrich Vera Cruz durchaus klassisch in Szene, doch in der Zeichnung der Figuren mit deren oft gnadenlosen Utilitarismus legt er eine Radikalität an den Tag, die im Hollywood der fünfziger Jahre kaum vorzufinden ist. Der in Vera Cruz vorherrschende Erzählduktus mit seinem lakonischen Zynismus sollte sich spätestens mit dem Aufkommen von New Hollywood als durchaus stilbildend erweisen.
