The Five Devils / Les Cinq Diables

Filmstart

The Five Devils

| Pamela Jahn |
Magisch-realistisches Kino für die Sinne

Das Wasser ist eiskalt, als Joanne (Adèle Exarchopoulos) kopfüber in den See springt. Sieben Grad misst das Thermometer ihrer achtjährigen Tochter Vicky (Sally Dramé), aber Joanne ist die brutale Abhärtung gewohnt. Jeden Tag und bei jedem Wetter schwimmt sie sich nach der Arbeit die Seele frei. Ihr Mutterdasein und die Anstellung als Bademeisterin im örtlichen Hallenbad, wo sie Kurse für Rentner anbietet, geben ihrem geordneten Leben in der französischen Provinz Halt und eine geregelte Struktur. Mehr kann sie nicht erwarten, seit ihre Ehe mit dem Feuerwehrmann Jimmy in einer Sackgasse geendet ist. Umso liebevoller kümmert sie sich um Vicky, die ähnlich verschlossen und in sich gekehrt ist wie sie. Denn ihr Vater stammt ursprünglich aus dem Senegal, was das Mädchen zur Zielscheibe für die geballten Gemeinheiten ihrer Mitschüler macht, die sie bei jeder Gelegenheit schikanieren. Doch es bereitet Joanne noch viel größere Sorge, dass ihr Kind scheinbar eine besondere Gabe hat: Sie erkennt blind jede Art von Gerüchen, die sie heimlich in Einmachgläsern und in ihrer Erinnerung sammelt. Als eines Tages Julia, die entfremdete Schwester ihres Vaters, unerwartet in die Heimat zurückkehrt, versetzt deren Duft Vicky plötzlich in eine seltsame Ohnmacht, die sie unmittelbar in die Jugendjahre ihrer Eltern katapultiert.

Es ist nicht nur ein Hauch von Magie und Geheimnis, der Léa Mysius’ Les Cinq Diables zu einer sinnlichen Seherfahrung macht. Die Kamera von Paul Guilhaume fängt das rätselhafte Geschehen in kontrastreichen Bildern ein, während ein seltsam atonaler Soundtrack das Publikum in Atem hält. Die Atmosphäre ist stimmungsvoll und angespannt. Die kühle Abgeschiedenheit der malerischen Alpen kollidiert mit den wütenden Flammen eines zerstörerischen Brands, der Unheil über die verschlafene Berggemeinde bringt. Feuer und Wasser sind hier die zentralen Elemente, von denen Risiko und Gefahr ausgehen. Je mehr sich der Film darauf besinnt, die Vergangenheit aufzulösen und mit der Gegenwart zu vermischen, desto mehr verliert er an Schärfe und steuert auf ein unnötig sentimentales Ende zu – aber es sind vor allem zwei Schauspielerinnen, die das Drama bis zum Schluss tragen: Dramé gibt ihrer Vicky eine faszinierende Präsenz und verkörpert eine Weisheit, die über ihr Alter hinausgeht und nichts Niedliches oder Frühreifes in ihrer Darstellung durchsickern lässt. Und Exarchopoulos gelingt es, die eingefrorenen Sehnsüchte und Träume einer jungen Frau mit ihrer Verbitterung über das reale Leben auf eine Weise zu vereinen, die Joanne – und dem Film insgesamt – ein erdendes Element verleiht.