Die beste Detektiv-Roadmovie-Sciencefiction-Liebestragikomödie des Jahres
Ein beschaulicher Ort inmitten der argentinischen Pampa gerät in Aufruhr, als jemand – oder etwas? – aus dem kleinen städtischen See geborgen wird. Die Medien spekulieren, das unbestimmte, zumindest menschenähnliche Lebewesen wird im Krankenhaus abgeschottet und untersucht. Doch noch hat dieses rätselhafte Ereignis keinen Platz im Kopf der der Welt und ihrer Sonderbarkeiten aufgeschlossenen, angehenden Biologin Laura, die für den lokalen Radiosender eine Reihe gestaltet, in der sie Frauen vorstellt, die auf unterschiedlichste, oft ungewöhnliche Weise Geschichte geschrieben haben. Die große Geschichte, die wir hier sehen, heißt wie die Kleinstadt, in der und rund um die sie spielt: Trenque Lauquen. Und von der Entdeckung im Park-Gewässer erfahren wir erst, nachdem wir Laura und einen Kollegen, der zu „mehr“ wird, dabei begleitet haben, wie sie sich wie besessen in die in Briefform erhaltene Beziehung von zwei Liebenden Anfang der sechziger Jahre graben. Und lange nachdem wir wissen, dass die unergründliche Laura eines sicher ist: verschwunden.
Denn am Anfang der vier Stunden, die in zwölf Abschnitte und zwei Kinofilmteile gegliedert sind, rollt ein Suchduo durchs Umland. Laura ist fortgegangen, hinter sich ließ sie in Person ihres Freundes Rafa Partnerschaft und akademische Karriere sowie mit Eze ihren Komplizen in der romantischen Recherche. Die beiden Männer spüren in einem Auto den Wegen nach, die Laura wohl eingeschlagen haben muss, ohne dass sie das Motiv dafür ahnen würden. Rafa ist ein typischer Macher, hinter Ezequiels stillen Augen drehen sich die Gedanken spürbar im Kreis; in den Sog, den Laura und er sich selbst beschworen, werden auch wir hineingezogen.
Laura Citarella, häufig für ihre Arbeit als Produzentin des 14-Stunden-Epos La Flor, das 2018 die Festivals der Welt begeisterte, gepriesen, lässt die nach einer Weile kaum mehr zählbaren Zeit-, Handlungs- und Suggestionsstränge zart ineinander übergehen, wuchernd wie Wurzeln der seltenen Orchidee, die Laura (Paredes) ersehnt, doch natürlich partout nicht zu finden vermag … Eine andere Blume führt sie dafür zu einer Neurobiologin, die mit den aktuellen Geschehnissen in der Stadt mehr zu tun hat als gedacht. Und immer einnehmender schlängelt er sich voran: dieser große Film über kleine Obsessionen, diese Hingabe an die Neugier, das Fantasieren und Erzählen selbst, mit der Citarella ihr minimalistisches Juwel Ostende (2011) grandios fortschreibt – wenn es nach ihr geht, die ersten Filme einer ganzen Reihe, in der stets die gleiche und doch eine andere Laura jene Rätsel findet, die sie zum Atmen braucht.
