Die neue Reihe geht in die zweite Runde
Midnight Movies im letzten großen Einsaalkino Wiens: Das Wiederaufleben von Kultfilmen der speziellen Sorte findet im Gartenbaukino einen würdigen Rahmen. Das zweite Programm der neuen Vorstellungsreihe mit Beginnzeit 22 Uhr 30 steht unter dem Motto „Nocturnal Lights“, es zieht sich mit einer vielschichtigen Auswahl außergewöhnlicher Großstadt-Filme durch den Spätsommer hinein in den grauen Herbst.
Zum Auftakt am 12. August bittet man mit Kathryn Bigelows schrillem Cyberpunk-Thriller Strange Days zum mitternächtlichen Schau-Vergnügen: Das Science-Fiction-Spektakel entfaltet sich zwar auf dem realen Fundament von Polizeigewalt und -korruption, beeindruckt jedoch noch mehr auf der Ebene eines wundervoll übersteigerten Zeitbilds der späten Neunziger und ihrer Millenium-Angst. Der Puls rast bis Stunde Null.
Von Los Angeles weiter nach New York: In Cruising entsendet Regisseur William Friedkin den bereits zum Star avancierten Al Pacino in den Lederfetisch-Untergrund. Als Detective Steve Burns soll er undercover einen Serienkiller dingfest machen, der Jagd auf Schwule macht. Die Ausführung kam nicht bei allen gut an, auch Teile der schwulen Community fühlten sich stigmatisiert. Inwieweit das bildmächtige Werk von 1980 heute noch aber als komplexe Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Sexualität und Gewalt gelesen werden kann, lässt sich am 26. August beantworten.
Eine 35mm-Kopie von Tokyo Drifter (1966) gibt es am 16. September zu bestaunen, der exaltierte Gangster-Trip von Seijun Suzuki entführt in den in bunt und kräftig strahlenden Neonfarben getauchten Untergrund der japanischen Hauptstadt. Das Aussteigen aus der Yakuza ist hier ein Ding der Unmöglichkeit und setzt eine tödliche Spirale in Gang. Und das knallige Filmfeuerwerk inspirierte mit Fortschreiten der Jahre immer mehr.
Die unbestrittene, einflussreiche Größe Johnnie To wiederum legte relativ früh in seinem Schaffen mit The Heroic Trio ein Stück überschwänglicher Hongkong-Action vor, in dessen visueller Hemmungslosigkeit sich ungewöhnlicher Weise drei vielseitig bewaffnete Frauen als Hauptfiguren durch die Metropole kämpfen. Eine von ihnen: Die in den kommenden Jahrzehnten und auch 2023 wieder Geschichte schreibende Michelle Yeoh. 7. Oktober.
Zum Abschluss lädt der Meister des Giallo Dario Argento in Inferno mitten hinein in ein ein unvergleichliches Horror-Gemälde. Unter Mitwirkung von Mario Bava entstand eine (alb)traumhafte Weiterführung des Suspiria-Mythos, ein Film zum Sich-Hineinfallen-Lassen, in eine düstere Welt – und in den ersten Minuten des 15. Oktobers betört oder verstört, jedenfalls betroffen zurück in die Wiener Innenstadt zu stolpern.
