Jason Bourne

Alicia Vikander

„An die Oscar-Nacht habe ich keine Erinnerung“

| Hans Klein |

Bekannt wurde die schwedische Schauspielerin Alicia Vikander in ihrer Heimat durch eine Rolle in der Seifenoper Andra Avenyn. Der internationale Durchbruch folgt 2011 auf der Berlinale, als sie zum „European Shooting Star“ gekürt wurde. An der Seite von Jude Law spielte sie danach in Anna Karenina sowie mit Domhnall Gleeson und Oscar Isaac im Science-Fiction-Drama Ex Machina. Anfang des Jahres folgte schließlich der Oscar für ihre Rolle in The Danish Girl. Bevor sie demnächst als Nachfolgerin von Angelina Jolie als Lara Croft im Reboot von Tomb Raider vor der Kamera steht und im Thriller Submergence von Wim Wenders zu erleben ist, tritt Alicia Vikander mit Matt Damon im Action-Spektakel Jason Bourne auf.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Oscar-Verleihung 2016?
Alicia Vikander: Ich habe überhaupt keine Erinnerung mehr daran, was genau sich auf der Bühne bei der Preisverleihung abgespielt hat. Ich weiß nur noch, dass es eine große Uhr gab, die vor mir stand. Dort lief der Countdown von 40 Sekunden abwärts. Ich starte auf die Zahlen: 39, 38, 37 – und dachte: Du musst jetzt Worte finden. Als ich von der Bühne abging, wurde ich von Freunden und Familie umringt. Wir feierten und tanzen dann zwei Stunden in einer Lounge hinter der Bühne. Insofern ist es schon eine Nacht, die ich nie vergessen werde.

Wie sehr hat der Oscar Ihr Leben verändert?
Alicia Vikander: Für mich ist das noch immer surreal. Wenn man als Schauspielerin aus Schweden kommt, dann ist Hollywood weit weg. Manchmal wurde ich gefragt, ob ich davon träumen würde, in Amerika zu arbeiten. Das hatte ich immer verneint, Hollywood war jenseits meiner Vorstellung. Und plötzlich habe ich die Möglichkeit, mit Schauspielern zu arbeiten, mit denen ich aufwuchs, die ich bewunderte und die mich inspirierten, diesen Beruf zu ergreifen.

Wie gehen Sie mit der Kehrseite des Ruhmes um? Tausche Oscar gegen Privatsphäre, klagen manche Preisträger…
Alicia Vikander: Ich habe danach ja die meiste Zeit gearbeitet, deswegen habe ich damit noch kaum großartige Erfahrungen. (Lacht.) Es ist immer eine schöne Sache, wenn Menschen auf dich zukommen und erzählen, dass sie deine Arbeit mögen. Weniger angenehm ist es, wenn dir Freunde erzählen, dass sie Bilder von mir in der Zeitung gesehen hätten. Wenn dich Paparazzi verfolgen und heimlich dein Privatleben ausspähen, finde ich das absolut schrecklich.

Wie sehen solche Spähangriffe aus?
Alicia Vikander: Es gab eine Situation, in der ich von drei Männern eine halbe Stunde lang verfolgt wurde. Ich war ganz allein – als junge Frau findet das vermutlich niemand cool.

Wie cool finden Sie die „Bourne“-Filme?
Alicia Vikander: Ich habe mir die Bourne-Trilogie sehr oft angeschaut. Als beim ersten Drehtag in der CIA-Zentrale mein Agenten-Kollege ganz aufgeregt sagt: „Mein Gott, es handelt sich um Jason Bourne!“ musste ich spontan laut loslachen. Das war schon einer dieser ganz besonderen Momente für mich. Noch eindrucksvoller war die Begegnung mit Tommy Lee Jones. Sein Gesicht und sein Verhalten entspricht meiner Vorstellung davon, wie diese Typen aussehen, die die Macht im CIA haben.

Wie haben Sie die Rolle bekommen?
Alicia Vikander: Ich traf mich mit Regisseur Paul Greengras, dessen Arbeit ich schon immer sehr geschätzt habe. Wir unterhielten uns darüber, wie ich diese Figur sehen und über meine Ideen dazu. Als ich später von meinem Agenten den Anruf bekam, dass ich die Rolle bekomme, war ich total aus dem Häuschen. Mir haben die Bourne-Filme schon als Teenager total gefallen, und ich finde, mit diesem Teil haben die Autoren diesen Agenten gekonnt weiter entwickelt und neu erfunden.

Haben Sie für einen weiteren Teil schon unterschrieben?
Alicia Vikander: Wir müssen erst einmal abwarten, wie sehr das Publikum diesen Jason Bourne mag – so funktioniert Hollywood ganz einfach. Wenn die Zuschauer einen weiteren Teil möchten, wird es den vermutlich geben. Und wenn man mir darin wieder eine Rolle anbietet, würde ich gerne zurückkommen.

Im September wird man Sie an der Seite von Michael Fassbender in The Light Between Oceans als Mutter erleben – wie gerne geben Sie die Mama auf der Leinwand?
Alicia Vikander: Die Mutter-Rolle wird langsam mein Thema. Zum ersten Mal spielte ich mit 17 eine Mama, zehn Jahre später ist mittlerweile meine siebte Rolle als Mutter: Ich habe also wirklich schon ziemlich viele Film-Babys gehabt! (Lacht.) Im echten Leben habe ich bislang noch keine Kinder, als Schauspielerin muss ich mich da also auf meine Vorstellungskraft verlassen. Aber das geht natürlich schon ans Eingemachte. Ich habe schon dreimal eine Schwangere gespielt, und jedes Mal dachte ich, jede Mutter wird sagen: Diese Frau hat keine doch überhaupt Ahnung!

Gibt es Pläne, die Mutter-Rolle durch reale Erfahrung zu optimieren?
Alicia Vikander: Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen und habe mir schon sehr früh als Teenager vorgenommen, einmal selbst eine Familie zu gründen. Ich weiß noch nicht wann, aber das wird auf alle Fälle noch passieren.

Sie drehen einen Film nach dem nächsten – wäre es nicht Zeit für eine kleine Auszeit?
Alicia Vikander: Ich bin sehr glücklich mit meiner Arbeit. Natürlich ist es wichtig, Pausen einzulegen. Das versuche ich auch umzusetzen, so klein sie augenblicklich auch sein mögen. Aber ich nehme mir schon die Freiheit, mein Smartphone auszuschalten, fünf Tage zu verschwinden nun nur Yoga zu machen. Man kann das alles eben nur schwer planen. Derzeit gibt es viele attraktive Projekte. Aber in den nächsten zwei Jahren werde ich mir sicher einmal einige Monate frei nehmen.

Eine eigene Produktionsfirma zu gründen, klingt nicht unbedingt nach Urlaub…
Alicia Vikander: Stimmt, ich habe gerade meine eigene Produktionsfirma gegründet, deren erstes Projekt Euphoria demnächst in Bayern mit den Dreharbeiten beginnen wird. Es geht um Schwestern und eine geheimnisvolle Reise durch Europa. Meine Partnerinnen werden Charlotte Rampling und Eva Green sein. Dafür werde ich sieben Wochen in Deutschland verbringen. Allerdings ist die Idee, dass ich bei den Produktionen meiner Firma nicht automatisch als Schauspielerin dabei sein werde.

Wo haben Sie Ihren Oscar aufgestellt?
Alicia Vikander: Ich verbrachte nur eine einzige Nacht mit Oscar! Direkt anschließend musste ich zu den Dreharbeiten von Jason Bourne. Deswegen habe ich meinen Oscar einem Freund zur Aufbewahrung anvertraut – und muss ihn erst noch abholen, um ihn zurück nach London bringen, wo ich seit vier Jahre wohne.