Spiel ohne Grenzen

| Pamina Kowalski |

Glücksspiel – ein zeitloses und immer faszinierendes Filmthema. Ende 2013 zeigt Runner, Runner unter anderem, wie es sich im Online-Zeitalter verändert hat.

Welchen Wert ein Thema in der Gesellschaft hat, merkt man schnell an seiner Aufarbeitung in den popkulturellen Medien. In Filmen lassen sich Trends und Entwicklungen unserer Zeit sehr gut abbilden. Je nachdem, wonach gesucht wird, lässt sich eine chronologische Abfolge der Bedeutung – und der Transformierung von Bedeutung – von Elementen des (westlichen) Lebens in den typischen Hollywoodfilmen finden.

Das Thema “Glücksspiel” gehört sicherlich dazu und erfreut sich derzeit wieder größter Beliebheit als thematische Stütze im Film. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Poker und Online-Casinospiele in den letzten zehn Jahren einen unglaublichen Hype erleben. Statt elegante Spielsalons in Las Vegas kommen in neuen Produktionen wie Brad Furmans Runner Runner (mit Ben Affleck und Justin Timberlake) auch gegenwärtige Verhältnisse auf die Leinwand.

Aber auch die Klassiker werden entweder neu interpretiert oder aufgearbeitet. Gangster Squad, der ewig verschobene Film von Zombieland-Regisseur Ruben Fleischer mit Josh Brolin und Ryan Gosling in den Hauptrollen, thematisiert das Glücksspiel im Zusammenhang mit der Mafia wieder betont als treibende Geldquelle für den Mob. Mickey Cohen (gespielt von Sean Penn), ist ein Mafiaboss aus Brooklyn, der seine Organisation auf die amerikanische Westküste ausweitet. In Los Angeles hat er seine Hände überall dort drinnen, wo man organisierte Kriminalität erwarten würde. Prostitution, Drogenhandel, illegales Glücksspiel und Waffenhandel gehören zu seinem Metier. Richter und Polizisten schmiert er, weshalb er eine gewisse Immunität vor der Justiz besitzt. Eine Undercover-Elite-Einheit des LAPD – der “Gangster Squad”, angeführt von den Seargents Jerry Wooters (Ryan Gosling) und John O’Mara (Josh Brolin) – wird auf ihn angesetzt, die völlig ohne Aufsicht aktiv sein darf. Der Film, ursprünglich als L.A. Noir angedacht, entwickelte sich zu einer farbintensiven Orgie der Gewalt, erntete aber wegen seiner Oberflächlichkeit eher durchschnittliche Kritiken.

In Killing Them Softly, dem dunkel-düsteren Thriller mit Brad Pitt, wird ein illegales Pokertunier ausgeraubt, was den etwas dümmlichen Kleinkriminellen zum Verhängnis werden soll. Basierend auf einem Kriminalroman der Siebziger Jahre wurde Killing Them Softly von Regisseur Andrew Dominik in das Jahr 2008 transportiert. Im Hintergrund schimmern deutlich die Änderungen in der US-Politik im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl und die Finanzkrise durch. Vor dieser Kulisse muss der Auftragskiller Jackie Cogan die zwei Räuber zur Strecke bringen. Killing Them Softly entwickelt sich zu einem tarantinoesken Geäst an intelligenten und rauhen Dialogen, zugespitzt mit brillianten Pointen und angereichert mit Szenen explosiver Gewalt.

Diese Filme reproduzieren zwar den typischen Mythos um die Roulette-Chips und die beste Hand beim Pokern, fügen dem Spiel aber neue Bedeutungen zu. Angefangen etwa bei dem ersten Daniel-Craig-Bond Casino Royale: pünktlich im Trend zu Live-Turnieren, die die ganze Nacht im Fernsehen ausgestrahlt werden, darf sich Bond mit seinem Gegner nicht mit Waffen, sondern mit Blättern messen. Der moderne Mann weiß, wie man spielt. Das Pokerface symbolisiert aber die postmoderne Undurchsichtigkeit des Helden. Casino Royale erzählt die Geschichte des James Bond “in the making”, bevor er zum Retter des britischen Königreiches wurde.

Damit heben sich die aktuellen Gambler-Filme deutlich von den vermeintlich “besten Glücksspiel-Filmen aller Zeiten” ab. Intelligente Filme wie Rounders mit Matt Damon oder echte Klassiker wie Cincinnati Kid brauchen keinen moralischen Kompass, um zu funktionieren. Sie appellieren an das Geschick, nicht unbedingt an die Kriminalität. Dennoch kann man sagen, dass es der Hauch der Illegalität ist, der den Kick ausmacht – egal ob das Glücksspiel-Motiv signifikant für den Plot ist oder eher im Hintergrund vorhanden ist. Das sagenumwobene “Glück”, tatsächlich aber auch das verborgene Talent des Einzelnen, aus einer einzelnen Hand das beste zu machen, lassen das Spiel im Film zu einem populären und sehr nützlichen Mittel werden.

Runner Runner, wie schon erwähnt, dürfte da das aktuellste Beispiel sein. Hier geht es auch um die geschichtliche Darstellung des Online-Hype um das Glücksspielgeschäft. Ein Student verliert sein Geld in einem Online-Pokerraum und vermutet Betrug, reist nach Puerto Rico, um den Betreiber der Seite auszumachen und wird schließlich sogar zu seinem Mitarbeiter. Die Story basiert angeblich auf einer wahren Begebenheit. Veröffentlicht werden soll der Film Ende 2013, zum Produzententeam gehört u.a. Leonardo DiCaprio.