Omar Sy kämpft im Ersten Weltkrieg um seine Familie.
Als der senegalesische Rinderhirte Bakary (Omar Sy) ins Dorf zurückkehrt, ist er allein. Seine Frau weiß, was das bedeutet. Sie sieht ihn mit vorwurfsvollem Blick an. Gerade haben sie ihren ältesten Sohn Thierno (Alassane Diong) an die Franzosen verloren. Die Besatzer haben den Jungen zwangsrekrutiert. Im Krieg gegen die Deutschen brauchen sie 1917 jeden Mann. Aber so einfach lässt Bakary sein Kind nicht im Stich. Er meldet sich freiwillig zum Dienst, in der Hoffnung, seinen Sohn zu befreien. Es ist ein heikler Plan, den er sich ausgedacht hat, und er geht schief. Daraufhin landen sie in einem Schützengraben im Osten Frankreichs und ziehen gemeinsam in die Schlacht. Beide überleben die Offensive, aber als Thierno unter den Einfluss des französischen Leutnants Chambreau (Jonas Bloquet) gerät und zum Unteroffizier befördert wird, verhärten sich auch die Fronten zwischen Vater und Sohn.
Im Gegensatz zu den meisten filmischen Rückblenden ist Mathieu Vadepieds Version des Ersten Weltkriegs eher zurück-haltend und nuanciert. Die Brutalität und das Getöse des Kampfes sind zwar allgegenwärtig und eindrücklich inszeniert. Aber der französische Regisseur konzentriert sich lieber auf die leisen Momente zwischen den Gefechten, hinter der Front. Immer wieder versucht er, Raum zu schaffen, um die menschlichen Beziehungen zwischen den Figuren zu sensibilisieren: Etwa wenn Thierno sich in seiner neuen Machtposition gegenüber dem Vater zu behaupten versucht. Oder wenn es darum geht, zu zeigen, wie die Angst vor dem Tod auf den Verstand der unfreiwilligen Soldaten drückt.
Omar Sy verleiht dem Film dabei allein aufgrund seiner physischen Präsenz Würde und Gravitas. Bakarys mürrische, ernste Art steht im Kontrast zu der liebevollen, fürsorglichen Beziehung, die er in seiner Heimat zu Thierno aufgebaut hat. Der sich im Lauf der Handlung zuspitzende innere Konflikt zwischen Vater und Sohn bleibt dennoch seltsam oberflächlich. Es scheint fast so, als würden nicht nur den Soldaten auf dem Schlachtfeld mehr und mehr die Kräfte schwinden, sondern auch dem Drama insgesamt.
Mit Tirailleurs will Vadepied an die vielen Afrikaner aus den französischen Kolonien erinnern, die im Ersten Weltkrieg für ihre Besatzer kämpfen und sterben mussten. Viele der Leichen, manchmal nur ihre Überreste, die nach Kriegsende geborgen wurden, blieben namenlos. Diesen Gedanken der Erinnerung greift der Regisseur auf, wählt ihn als Rahmen für seine Geschichte, die damit unweigerlich schwerer wiegt. Einen nachhaltigen Beitrag zur kritischen Hinterfragung des kolonialen Erbes Frankreichs leistet sein Film jedoch nur bedingt.
