Priscilla Film

Filmstart

Priscilla

| Pamela Jahn |
Warten auf Elvis

Magst du Elvis Presley?“ Die Frage des Soldaten kommt überraschend, aber das Mädchen, dem er sie stellt, lächelt nur sanft. Priscilla (Cailee Spaeny) ist vierzehn und ein Fan des King of Rock’n’Roll. Mit Bestimmtheit in der Stimme erwidert sie: „Wer nicht?“ Ein paar Tage später wird sie ihrem Idol zum ersten Mal leibhaftig gegenüberstehen – auf einer Party in Bad Neuheim bei Wiesbaden, wo sonst.

Im Deutschland Ende der fünfziger Jahre fängt für das prominente Paar alles recht unspektakulär an. Die junge Priscilla ist erst vor kurzem mit ihrer Familie aus Texas auf den Militärstützpunkt gezogen, weil ihr Stiefvater bei der Luftwaffe angestellt ist. Elvis (Jacob Elordi) dient zu dem Zeitpunkt dort noch bei der Armee.

Elvis Presley, so wie ihn Sofia Coppola zu Beginn ihres Films zeigt, ist ein perfekter Gentleman, ohne Koteletten, Haartolle und Starallüren. Der junge Mann in Uniform hat nur Augen für das brünette Mädchen, obwohl er zehn Jahre älter und drei Köpfe größer ist als sie. Priscilla wird für ihn zu einer Gefährtin in der Not. Er hat gerade seine Mutter verloren, ist verletzlich und sucht Trost.

Bald kommen die beiden sich näher, aber Sex haben sie nicht. Stattdessen überredet Elvis ihre Eltern, Priscilla für längere Zeit zu sich nach Graceland zu holen. Sein strenger Vater Vernon (Tim Post) übernimmt rechtlich die Vormundschaft, damit die Teenagerin dort die katholische High School besuchen kann. Priscilla ist aufgeregt und beeindruckt, als sie nach Amerika kommt. Aber es dauert nicht lang, bis sich erste Risse in der fragilen Beziehung andeuten, die auf einem gefährlichen Mix aus Mädchenschwärmerei und männlicher Eitelkeit basiert.

Priscillas Leben mit Elvis ist vor allem eines des Wartens. Immer wieder, immer öfter lässt er sie allein, um Filme zu drehen oder auf Tour zu gehen. Anfangs kämpft die junge Frau noch leise gegen die Einsamkeit an. Aber jeder Versuch, aus dem goldenen Käfig auszubrechen, ist zwecklos. Coppola folgt ihrer Figur in die komplette Isolation, doch je konkreter sie sich an Priscillas Memoiren „Elvis and Me“ und Erzählungen aus erster Hand orientiert, umso mehr verschleiert sich ihr sonst so erfrischend freier, unabhängiger Blick. Eine gedämpfte Farbpalette, die respektvoll distanzierte Kamera sowie Coppolas Unparteilichkeit am Geschehen, sorgen für eine gedrückte Stimmung, selbst in den leichteren Momenten des Films. Manchmal scheint es, als würde nicht nur das ungleiche Paar, sondern die ganze Inszenierung unter dem Einfluss von Schlaftabletten und Alkohol stehen. Erst als Priscilla langsam zu sich selbst findet, geht ein Ruck durch die Erzählung. Aber da ist es nicht nur für eine gemeinsame Zukunft mit Elvis längst zu spät.