Monstertruck-Rally im Ödland
In bislang vier Filmen hat George Miller jenes postapokalyptische Szenario entworfen, in dessen Mittelpunkt der Polizist Max Rockatansky – besser bekannt als Mad Max – steht. Nachdem die Saga, die 1979 mit Mad Max ihren Ausgang genommen hat, nach Teil drei 1985 auserzählt schien, folgte zwei Jahrzehnte später mit Mad Max: Fury Road ein Reboot samt neuem Hauptdarsteller (Tom Hardy löste Mel Gibson ab). Nun widmet sich Miller mit Furiosa in einem Spin-off der Vorgeschichte von Max’ Kampfgefährtin aus Fury Road.
Was die frühkindliche Prägung angeht, ist die Richtung für die titelgebende Heldin bald festgelegt. Denn nachdem Furiosa als kleines Mädchen in die Hände einer marodierenden Bikergang fällt, dominiert jene Konfliktlösungsmethode ihren Alltag, die in Millers dystopischer Welt vorherrscht: Gewalt. Lektionen, die Furiosa gut lernt. Denn auch nachdem sie Jahre später als mittlerweile junge Frau entkommen kann, verbindet sie eine innige, von Rachsucht getriebene Feindschaft mit Dementus, dem Anführer der Bande. Zudem gerät sie in die Dauerkonflikte zwischen den wenigen Oasen inmitten der Wüsten des Ödlands, wie etwa die bereits aus Fury Road bekannte Zitadelle unter der Herrschaft des rücksichtslosen Immortan Joe. Das alles setzt George Miller in einer nicht enden wollenden Abfolge von Verfolgungsjagden mittels motorisierter Gefährten aller Art in Szene. Man mag diesem Treiben, bei dem sich die Beteiligten in allen möglichen Variationen vom Bike schießen oder Sprengsätze an die Schädel werfen, Schauwerte zubilligen, doch als alleiniges Gestaltungsprinzip löst ein solches regressiv anmutendes Actionspektakel, das zum reinen Selbstzweck verkommt, irgendwann nur noch Ermüdung aus.
Mit Mad Max gelang George Miller mit geringem Budget eine Dystopie, die auf verstörende Weise deutlich macht, wie dünn die zivilisatorische Decke in krisenhaften Situationen eigentlich ist. Die Fortschreibung Mad Max 2: The Road Warrior erwies sich wiederum als kongeniale Verschmelzung von Popkultur und Postapokalypse, ein stilsicherer Höhepunkt in der Geschichte des Actionkinos. Ein Status, dessen sich Miller wohl bewusst ist, denn es ist schon erstaunlich, wie oft er sich im Verlauf von Furiosa mit Anleihen bei früheren Filmen selbst zitiert. So agiert Anya Taylor-Joy in der Titelrolle noch wortkarger als die mittlerweile ikonische Figur Mad Max (den man schmerzlich vermisst). Einzig die Auftritte von Chris Hemsworth als sardonischer Warlord Dementus bilden einen vergnüglichen Kontrapunkt zum Dauergetöse aus Motorenlärm und Explosionen.
