Viennale Blog 13

Viennale Blog 13

| Noah Albrecht |

Peter Bogdanovich ist ein durchweg sympathischer Mann. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt der Dokumentarfilm One Day Since Yesterday. Allerdings ist das Herzensprojekt von Regisseur Bill Teck eine höchst subjektive Hommage an den berühmten Filmemacher und Publizisten, der zu Recht als einer der großen Erneuerer Hollywoods gilt. Im Zentrum der 120 Minuten steht ein Film Bogdanovichs und ein Vorfall, welcher für immer mit dem Film verbunden bleiben wird. Denn They All Laughed (1981) markiert gleichzeitig das Aufsteigen und Erlöschen eines Sterns, Bogdanovichs junger Geliebter Dorothy Stratten. Am Tag der Premiere wurde Stratten von ihrem eifersüchtigen Noch-Ehemann ermordet.

Peter wird uns vorgestellt als junger, ehrgeiziger und vor allem selbstbewusster Regisseur, der durch seine Filme früh zu Erfolg und Anerkennung fand. Dabei wird auch mehrmals erwähnt, dass er es blendend verstand, sich selbst in Szene zu setzen und dadurch mindestens so berühmt wurde wie seine Schauspieler. Neben ausgewählten Szenen aus seinen Filmen zeigt One Day Since Yesterday viele Interviews mit Menschen, die Bogdanovich nahe stehen oder von ihm in ihrer Arbeit beeinflusst wurden. So erzählt zum Beispiel Quentin Tarantino begeistert von seinen Lieblingsszenen aus They All Laughed.  Bogdanovichs Töchter berichten von ihren Erlebnissen beim Dreh, wo sie – nach eigener Auffassung – vor allem sich selbst spielten. Durch alles zieht sich das tragische Schicksal von Dorothy Stratten, wobei ihr Mörder kaum Erwähnung findet. Die Liebesgeschichte zwischen dem damaligen „Playmate of the Year“ und ihrem Entdecker Bogdanovich ist großartig inszeniert. Bogdanovich selbst gibt sich in seinen Interviews sonst eher monoton, aber wenn es um seine Erlebnisse mit Dorothy geht, kommen starke Emotionen hoch.

Nach ihrem Tod fiel der Regisseur in eine tiefe Depression, und der Film wurde von Fox fallen gelassen. Bogdanovich brauchte lange, um über diesen Schicksalsschlag hinwegzukommen, und Bill Teck versteht es, dieses Gefühl sehr präsent wirken zu lassen. Insgesamt arbeitet One Day Since Yesterday mit  konventionellen Instrumenten des Dokumentarfilms. Leider bekommt man während der Vorstellung immer stärker das Gefühl, mehr eine Autobiografie Bogdanovichs und eine Liebeserklärung an ihn zu sehen. Ein wenig mehr Einbettung in die damaligen Zeit-Umstände wäre schön gewesen.