Acht Monate lang im Jahr harte Arbeit für einen Hungerlohn, aber das auch nur in guten Jahren. Acht Monate lang leben 40.000 Familien in der Salzwüste von Indien, um dort das „weiße Gold“ abzubauen. In der Dokumentation von Farida Pacha wird das harte und entbehrungsreiche Leben einer Familie gezeigt, von ihrer Ankunft in der Salzwüste bis zum Verlassen. Dieser Film führt uns vor Augen, woher unser Salz kommt, wie es gewonnen wird und unter welchen Umständen. Die Familien verzichten während dieser Zeit nicht nur auf allen Komfort, sondern auch auf gesellschaftliche Ereignisse. Das Einzige, das sie von ihrem Alltag ablenkt, ist für die Kinder die Schule, die selten, aber doch stattfindet und für die ganze Familie ein Fest, kurz bevor sie die Wüste wieder verlassen. Bewundernswerte Menschen auf der ganzen Linie.
Die Dokumentation hält die Szenen so fest, wie sie wirklich geschehen sind. Es gibt keine nachgestellten und nachgesprochenen Szenen. Das war eine Bedingung der Familie: Das Kamerateam musste sich ihrem Tagesrhythmus anpassen, nicht umgekehrt.
Der Rhythmus der Hintergrundgeräusche gibt den Takt vor. Stetig ist die Pumpe zu hören, die das Salzwasser auf die Felder schafft, wo es langsam verdunstet. Es liegt Monotonie und Beständigkeit in diesem Geräusch, eine Beruhigung, dass alles in Ordnung ist und seinen gewohnten Verlauf nimmt. Dem Zuseher ist klar, dass – sollte die Pumpe stoppen – etwas in Unordnung sein muss. Und tatsächlich: Einmal setzt sie wirklich aus, und alles gerät aus dem Gleichgewicht und dem gewohnten Ablauf. Das stetige Rattern der Pumpe funktionert als einziges Geräuschmittel im Film, wie ein Soundtrack. Trotzdem wird man dessen nicht überdrüssig.
Der Film zeigt eine wunderschöne Seite von Indien, vor allem mittels zahlreicher Naturaufnahmen aus der Salzwüste, die ein Naturschutzgebiet ist. Dabei ist in jeder Aufnahme, in der keine Menschen zu sehen sind, ein Kulturgegenstand im Blickfeld. Eventuell spielt My Name Is Salt darauf an, dass nur Salz gewonnen werden darf, weil die Grundstücke noch zu Zeiten vergeben wurden, in denen Indien eine britische Kolonie war. Ansonsten ist es ist nämlich verboten, in einem Nationalpark Wirtschaft zu betreiben.
Die Dokumentation zeigt drei Generationen, wie sie zusammenarbeiten, ohne je ein lautes oder gar böses Wort zu verlieren. Die Kinder machen, je nach Alter, entweder die einfachsten Arbeiten oder sie spielen. Die Frauen erledigen die leichteren Arbeiten, und der Vater und der Großvater sind für die körperlich anstrengenden Tätigkeiten verantwortlich. Die Familie ist eingespieltes Team, alle wissen, was sie wann und wie zu erledigen haben.
Mit diesem Film ist der Regisseurin ein wahres Wunderwerk gelungen. Sie hält in einer Dokumentation sowohl die Naturlandschaften einer atemberaubenden Umgebung fest, porträtiert aber auch die Menschen, die in ihr leben und arbeiten.
Da es im Anschluss an die Filmvorführung ein Gespräch mit der Regisseurin gab, kann ich mit Freuden berichten, dass die Dokumentation höchstwahrscheinlich in Österreich in die Kinos kommt. Ich wünsche ihr viele interessierte Zuschauer, die atemberaubende exotische Naturlandschaften sehen und zugleich einen dokumentarischen Blick auf das Arbeitsleben von Menschen aus anderen Teilen der Welt werfen wollen.
