Der Eisenbahnmörder – Verdunkelung (BRD 1976)

DVD/Blu-ray

Der Eisenbahnmörder – Verdunkelung

| Jörg Schiffauer |
Atmosphärisch dichte Rekonstruktion eines berüchtigten Kriminalfalls

Von 1939 bis 1941 versetzte eine unheimliche Verbrechensserie Berlin in Angst und Schrecken. 32 Frauen wurden von einem mit besonderer Brutalität agierenden Täter überfallen, etliche davon vergewaltigt, acht der Opfer fanden dabei den Tod. Bevorzugt attackierte der Täter seine Opfer in der S-Bahn innerhalb eines bestimmten Streckenabschnitts und in den angrenzenden Laubensiedlungen.

Peter Schulze-Rohr, der als Regisseur für eine ganze Reihe von Tatort-Episoden verantwortlich zeichnete, verfilmte 1976 im Auftrag des ZDF die Begebenheiten um besagten Serienmörder Paul Ogorzow mit dokudramatisch – Drehbuchautor Johannes Hendrich orientierte sich auch an den Gerichtsakten – anmutender Präzision. In nüchterner Tonalität positioniert die Inszenierung die mühevolle Fahndungsarbeit der Polizeibehörden sowie den Täter, dessen Name hier leicht verändert Osorsky lautet, und dessen Verbrechen nebeneinander. Die Spannungsmomente bezieht Verdunkelung – der Originaltitel bei der Fernsehausstrahlung – aus den vielfältigen Schwierigkeiten, mit denen sich die Ermittler konfrontiert sahen.

Konkrete Fahndungsansätze blieben zunächst rar, auch weil der Begriff des Serientäters damals noch längst nicht zum kriminologischen Standardwissen gehörte. Zudem gerieten die Fahnder zusehends unter Druck durch höchste Stellen, denn eine derartige Reihe von Kapitalverbrechen passte naturgemäß nicht in die Propaganda der Nationalsozialisten mit der von ihnen propagierten „Volksgemeinschaft“. Ein Selbstbildnis, dessen Absurdität nach der Identifizierung des Täters gründlich entlarvt wurde: Denn Paul Ogorzow war nicht nur Bediensteter der Reichsbahn, der privat als fürsorglicher Familienvater galt, sondern auch, wie er in Verdunkelung stolz gegenüber einem Polizeibeamten verkündet, Mitglied bei NSDAP und SA.