Mitreißender Thriller in der Kampfsportszene mit regimekritischer Botschaft
Die Mienen der Sportlerinnen im Reisebus sind ernst, ihre Haare komplett verhüllt. Das iranische Team ist unterwegs zur Judo-Weltmeisterschaft in Tiflis. Unter ihnen die ehrgeizige Leila, fest entschlossen, die Goldmedaille zu holen, und ihre Trainerin Maryam. Leila und eine Kontrahentin aus Israel gelten als Favoritinnen im Halbmittelgewicht. Als beide beim Turnier einen Kampf nach dem anderen gewinnen, wobei Leila physisch beeindruckend stark auftritt, werden sie und ihre Trainerin vom Sportministerium in Teheran telefonisch massiv unter Druck gesetzt, absichtlich zu verlieren, um einen Finalkampf mit der Israelin zu verhindern. Die Funktionäre befürchten eine nationale Demütigung, falls Leila besiegt wird.
Neben den spannenden Wettkämpfen auf der Judomatte (Tatami), angeheizt durch den englischen Profi-Kommentator und Ex-Weltmeister Neil Adams, sorgt ein hochdramatischer Streit hinter den Kulissen für emotional erschütternden Psychoterror: Leila will nicht aufgeben, während die Trainerin zunehmend verzweifelt versucht, sie umzustimmen – wohl wissend um die existenzbedrohenden Gefahren, auch für ihre Familien, wenn sie den Befehlen der Machthaber in der Heimat nicht gehorchen. Leilas liebevoller Ehemann wandert derweil vorsichtshalber mit der Tochter heimlich aus.
Tatsächlich ist genau das dem persischen Halbmittelgewichtler Saeid Mollaei 2019 bei der WM in Tokio passiert. Er kämpfte trotzdem weiter und setzte sich im Anschluss nach Deutschland ab. Der iranische Judoverband wurde für vier Jahre von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen.
Die Bildgestaltung (schwarzweiß im klassischen 4:3 Filmformat) mit packenden Parallelmontagen und unbehaglich wirkenden Aufnahmen von düsteren langen Gängen und Kabinen in den Katakomben der Sportarena visualisiert die ausweglos erscheinende Situation und verstärkt die klaustrophobische Atmosphäre der Angst in diesem regimekritischen Drama ohne Happy End à la Hollywood. Da das israelisch-iranische Regieduo Guy Nattiv (Golda, 2023) und Zar Amir Ebrahimi um ihre Sicherheit fürchteten, fanden die Dreharbeiten unter größtmöglicher Geheimhaltung in Georgien statt. Die beiden Hauptfiguren sind optimal besetzt. Amir Ebrahimi (Goldene Palme 2022 als Beste Hauptdarstellerin in Holy Spider), macht in der Rolle der Trainerin zusammen mit der in Los Angeles geborenen Arienne Mandi als Leila die extreme psychische Stress-Situation der Protagonistinnen auch für die Zuschauer spürbar.
