Broken bad

| Roman Scheiber |

Die ausgekochteste Serie, die das US-Fernsehen jemals gesehen hat, geht dem Ende zu. Grund genug für ray, jede einzelne Episode der finalen Halbseason wöchentlich zu besprechen: „Breaking Bad“, S5E9 (Blood Money), Spoiler-Alert.

Der gebratene Speck neben den Spiegeleiern wird gebrochen und zu einer Zahl zusammengesetzt. Tradition im Hause White, an Walts Geburtstag zeigt der Speck auf dem Frühstücksteller ihm sein neues Alter an. An seinem Fünfziger hatte Gattin Skyler ihm noch voller Liebe den Speck gebastelt, ein Jahr später musste sie von ihm dazu genötigt werden. Der Vorspann der fünften Season von „Breaking Bad“, ein Flash Forward, zeigt Walt dabei, wie er sich den Speck zum ersten Mal selbst umformt. 52 steht nun auf dem Teller, er hat wieder Haare am Kopf und trägt einen Vollbart, ein wenig verwahrlost sieht er aus. Am Ende wird es also zwei Jahre her gewesen sein, seitdem der damals brave Familienvater und engagierte Highschool-Chemielehrer die Diagnose letaler Lungenkrebs bekommen hat, der sich tatsächlich als tödlich herausgestellt hat, allerdings nicht für ihn selbst, sondern für viele andere Menschen, die ihm in seinem zweiten Leben als Crystal-Meth-Koch und schließlich als kahlköpfiger Drogenboss „Heisenberg“ in die Quere kamen. Der Beginn der fünften Season, von Creator und Executive Producer Vince Gilligan von vorn herein als definitiv letzte konzipiert, steht beispielhaft für die narrative Fülle der Serie und für die Liebe zum Detail, die sie mit ihrer Hauptfigur teilt. Aus Walt ist im Verlauf der Geschichte ein anderer Mensch geworden. Ein Pedant ist er geblieben.

Der Teaser zur neunten Episode knüpft zeitlich an den Flash Forward der ersten an, und örtlich an den symbolträchtigsten Platz von „Breaking Bad“: den Swimming Pool der Familie White. Einst ein Topos für den amerikanischen, auf Schulden gegründeten Suburbia-Wohlstand. Später der Ort, auf den die Trümmer der Flugzeuge fielen, die – indirekt von Walt verschuldet – über Albuquerque kollidiert waren. Der Ort, in dem der halb verkohlte rosa Teddybär schwamm. In den Walt den Griller mit von ihm angezündeten Drogengeld warf, weil sein moralischer Anfall nach der Kollision keine Dollarnoten-Brennspanne lang dauerte. (Mit dieser Szene korrespondiert die aktuelle Episode, wenn Walts Ex-Assistent Jesse sein blutiges Geld bei einer nächtlichen Autofahrt in die Vorgärten Albuquerques wirft.) Der Pool war auch der Ort, an dem Skyler aus Verzweiflung über ihren Mann ins Wasser ging. In den sein 15-jähriger Sohn sich erbrach, weil der Mr. Heisenberg-Hyde in Dr. Jekyll-White den Junior zum Schnapskonsum angestachelt hatte. Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Und was hören wir jetzt? Roll- und Sprunggeräusche. Und was sehen wir jetzt? Körper durchs Bild flitzen. Ein leeres, zweistufig abgerundetes Becken neben der Ruine, die einst der Wohnsitz der Familie war. Skater-Kids haben den verwaisten Pool als Übungsgelände okkupiert.

Neben Jesses moralischer Depression, wortkarg und mit der für die Serie typischen Kohärenz inszeniert, widmet sich die Episode (folgerichtig nach dem entsprechenden Cliffhanger zum Abschluss der ersten Finalstaffelhälfte) dem Umstand, dass Walts Schwager Hank ihm auf die Schliche gekommen ist. Die Ermittlungen des Drogenfahnders waren immer wieder ins Leere gelaufen, erst eine Verdauungsstörung und der folgende Aufenthalt auf Walts Toilette bewirkten die erschreckende Erkenntnis. Die Ironie der Entdeckung und Hanks Schock darüber heben erneut ins Bewusstsein, wie genial „Breaking Bad“ psychologische Glaubwürdigkeit und schwarzen Humor miteinander vermählt. Wunderbar die beschwingte Szene, in der Hank noch einmal in den Aktenkisten des Heisenberg-Falls wühlt, wodurch all die Tatorte und Hinweise, die Gesichter und die Leichen noch einmal vor dem Zuschauerauge Revue passieren. Und die Konfrontation der beiden in Hanks Garage am Ende der Episode darf in schauspielerischer Hinsicht als Glanzlicht gelten – wobei mit bislang 55 Episoden, in denen Hank diesem Heisenberg mehr als einmal nur noch um Nasenlänge hinterher war, auch lange genug darauf hingearbeitet werden konnte.
To be continued.