Einfallsreiches Biopic über einen Vollblut-Entertainer.
Wenn einer sich als „International Megastar“ bezeichnet, dann zeugt das von reichlich Selbstbewusstsein, möglicherweise sogar Größenwahn. „Performing monkey“ klingt da schon bescheidener, zugleich aber auch die eigenen Verdienste geringschätzend und herabwürdigend. Die beiden Begriffe bezeichnen nun nicht nur die zwei Seiten einer Medaille, sondern bilden auch die Pole, zwischen denen das Biopic/Künstlerporträt Better Man das psychologische Profil seines Gegenstandes aufspannt: des 1974 in Stoke-on-Trent, Staffordshire, in den englischen Midlands geborenen Sängers und Songwriters Robert Peter Williams, weltbekannt als Robbie Williams.
Minderwertigkeitskomplexe und Versagensängste auf der einen Seite, Popstar-Hybris und drogeninduzierte Allmachtsfantasien auf der anderen. Dazwischen liegt gewöhnlich irgendwo die Wahrheit, aber die Wahrheit liegt nicht im Interesse dieses Films. So wie der Darsteller/Entertainer Robbie Williams unter jener von Weta Digital geschaffenen Primatenmaske verschwindet, die die Metapher vom dressierten Affen wörtlich nimmt, so verbirgt sich auch der Mensch Robert Peter Williams hinter der Smokescreen, die Regisseur Michael Gracey – 2017 für den fulminanten The Greatest Showman verantwortlich – mit Hochdruckgebläse spektakulär in Szene setzt.
Mit seiner großen, niemals still stehenden Klappe sorgte Williams im Laufe seiner Karriere schon für so manchen Skandal, seine Aus- und Zusammenbrüche, seine Kreuzzüge und Bittgänge fanden und finden in aller Öffentlichkeit statt. Seine Fans glauben, alles über ihn zu wissen, und doch ist der Seelenstriptease, dessen man hier ansichtig wird, nicht mehr – aber eben auch nicht weniger – als eine weitere grandiose Show eines gewieften Entertainers, der an seiner Persona arbeitet. Dass Williams ein Vollprofi ist, der die Deutungshoheit nicht aus der Hand gibt, erkennt man unter anderem daran, dass er in Better Man immer wieder höchst verwundbar erscheint, dabei aber doch unantastbar bleibt. Es ist dies eine hohe Kunst, mit deren Beherrschung Williams beweist, dass er den zu Beginn noch etwas großmäulig wirkenden Anspruch, in der Tradition der ganz Großen zu stehen, doch völlig zu Recht erhebt.
Übrigens kommt quasi zeitgleich mit Piece By Piece von Morgan Neville ein Biopic über den Sänger, Rapper und Musikproduzenten sowie Pop- und Fashion-Ikone Pharrell Williams in die (deutschen) Kinos, das als Lego-Animationsfilm gestaltet ist. Zufall – oder kündigt sich hier ein neuer Trend an? Demnächst dann Taylor Swift als Knetfigur?
