Im Pilotprojekt Viennale ray Talent Press berichten Schülerinnen und Schüler der Oberstufen des Wiedner und des Rainergymnasiums sowie der Sir-Karl-Popper-Schule auf www.ray-magazin.at von der Viennale 2013. Unterstützt von erfahrenen Filmkritikerinnen und Filmkritikern können sie Filme sehen, in unterschiedlicher Form darüber schreiben, mit Filmschaffenden diskutieren und auf diese Weise verschiedene Seiten eines Filmfestivals kennenlernen. Betreut wird das Projekt von Alexandra Zawia, von der auch die Idee stammt, von Andreas Ungerböck und von Christian Holzmann.
Da ich noch nie auf einer Eröffnungsgala eines Filmfestivals war, konnte ich nur erahnen, was beim Start der 51. Viennale erwarten würde. Viele wichtige Menschen, viele, die sich für noch wichtiger gehalten haben, und ich.
Nachdem ich meinen Platz eingenommen hatte, fingen auch die prominenten Gäste an, sich im großen Kinosaal des Gartenbaukinos zu versammeln. Viele bekannte Gesichter, wie Karl Markovics, Peter Simonischek, aber auch internationale Gäste wie den US-amerikanischen Schriftsteller Louis Begley mit seiner Frau Anka Muhlstein oder den australischen Regisseur Peter Weir konnte ich ausmachen. Auch die Frau Bundesministerin Schmied sah ich, als ich den Raum betrat – sie wirkte so, als würde sie nur darauf warten, das Kino so schnell wie möglich wieder zu verlassen.
Als sich dann alle Gäste an ihren Plätzen eingefunden hatten, betrat die Moderatorin die Bühne des Gartenbaukinos und wies sogleich auf ihr zerrissenes Kleid hin. Nach ein paar Worten zur Begrüßung und ein paar weiteren als Danksagung war Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny an der Reihe, seine Rede zu halten, welche sich hauptsächlich um das Kino als aussterbendes Medium drehte. Danach wurde ein Brief des leider verhinderten Festivalpräsidenten Eric Pleskow vorgelesen, in dem er sein Fehlen bedauerte.
Bemerkenswert fand ich die Rede von Hans Hurch, dem Festivalleiter. Er erzählte von einem Traum, in welchem SPÖ und ÖVP sich erneut auf eine große Koalition einigen und jetzt „die neue österreichische Politik“ machen. Nach ein paar anschließenden Danksagungen und dem diesjährigen Viennale-Trailer mit einer hübschen Natalie Portman, ging der Eröffnungsfilm los.
Inside Llewyn Davis, der neue Film der Coen-Brüder, ist ein echt gelungenes, stimmiges und witziges Gesamtpaket. Der Film begleitet einen Musiker auf einer Reise durch dessen Leben, an deren Ende doch alles wirkt wie am Anfang. Der Film, der hauptsächlich im winterlichen New York, im winterlichen Chicago und dazwischen in einem Auto, spielt, schafft es, den Zuschauer sehr mit dem Hauptcharakter, Llewyn Davis, mitfühlen zu lassen. Das resultiert darin, dass man sich zeitweise während des Films – ganz wie er – doch sehr energielos und matt fühlt.
Der Film wird einerseits von extrem witzigen und spannenden Dialogen und Charakteren, andererseits von den ausgesprochen guten Darstellern, allen voran Oscar Isaac, Carey Mulligan und Justin Timberlake, getragen. Nur in den seltensten Fällen wird Hintergrundmusik eingespielt, meist ist sie im Film „live“ performt – und das ist dann so stimmig, dass man am liebsten gleich applaudieren würde. Und ganz ehrlich: Es sollte mehr Filme mit Katzen geben.
Nach dem Film gab es noch eine Gala im Festsaal des Rathauses, bei der ich am Tisch NEBEN Hans Hurch saß, mit ihm ein paar Worte über das Talent-Press-Projekt wechselte und mir den Bauch vollschlug, ohne dafür zu zahlen. Außerdem saß mir Peter Weir gegenüber, mit dem ich mich über Inside Llewyn Davis unterhielt, und der ihn ebenfalls sehr mochte. Meine erste Filmfestival-Eröffnungsgala: Ein wirklich gelungener Abend.
