Im Pilotprojekt Viennale ray Talent Press berichten Schülerinnen und Schüler der Oberstufen des Wiedner und des Rainergymnasiums sowie der Sir-Karl-Popper-Schule auf www.ray-magazin.at von der Viennale 2013. Unterstützt von erfahrenen Filmkritikerinnen und Filmkritikern können sie Filme sehen, in unterschiedlicher Form darüber schreiben, mit Filmschaffenden diskutieren und auf diese Weise verschiedene Seiten eines Filmfestivals kennenlernen. Betreut wird das Projekt von Alexandra Zawia, von der auch die Idee stammt, von Andreas Ungerböck und von Christian Holzmann.
Der Film Dast-Neveshtehaa Nemisoozand, auf Englisch Manuscripts Don’t Burn, von Mohammad Rasoulof, erzählt von zwei Männern, Schlägertypen der iranischen Regierung, die Kopien eines Manuskripts suchen, welches die Schilderung eines Mordanschlags auf 21 intellektuelle Iraner enthält. Der Autor will mit Hilfe dieser Informationen an eine Ausreisegenehmigung kommen, um vor seinem Tod noch einmal seine Tochter zu treffen. Diesen sehr einfachen Plot setzt der Regisseur im Laufe des Films zusammen. Wie ein Puzzlespiel wird ein Stein an den anderen gesetzt, bis langsam das Bild eines tragischen Endes entsteht. Man wird fast erschlagen von so viel subtiler Brutalität, die kaum gezeigt und doch deutlich spürbar ist. Der Film ist ein bildgewaltiges Werk für die Freiheit und gegen die Unterdrückung und Zensur iranischer Schriftsteller und Künstler.
Klar, grau, trist und so echt, dass man Angst bekommt. So lässt sich der Film am besten beschreiben. Jedes Bild ist kühl, alles wird schlicht in grau gehalten und das Licht wirkt nicht gekünstelt. In keiner einzigen Sekunde des Zusehens fühlt man sich wohl. Dieses Unbehagen wird durch die fast formatfüllenden Nahaufnahmen der Protagonisten noch verstärkt. Nur selten wird der Hintergrund gezeigt, wenn doch, dann wirkt er fade und unspektakulär, oft ist er unscharf. Es scheint, als wolle der Regisseur jeden einzelnen Gesichtszug seiner Protagonisten einfangen – wenn sie reden, denken, rauchen oder sterben. Kaum auszuhalten sind die verwendeten Geräusche, oft nur ein Stöhnen oder ein kurzer Satz. Ihre Quelle ist meist nicht sichtbar, da Mohammad Rasoulof strikt auf den Gesichtern seiner Charaktere bleibt. Als Zuseher taucht man vollkommen in den Film ein.
Mohammad Rasoulof, geboren 1972 in Shiraz, verarbeitet in seinem Film auch eigene Erfahrungen. Von der iranischen Regierung wurde er 2010 zusammen mit einem Kollegen zu sechs Jahren Haft verurteilt, zudem erhielt er zwanzig Jahre Berufs- und Reiseverbot.
