Family Business
Die Kombination von Familiendrama und mafiösen Machenschaften hat in Film und Fernsehen immer wieder einmal für Glanzstunden gesorgt. Dabei muss man nicht gleich an The Godfather oder The Sopranos denken, denn der von Filmemacher und Musiker Dito Montiel (A Guide to Recognizing Your Saints, 2006) in Szene gesetzte Riff Raff weist zwar oberflächlich betrachtet ebenfalls erwähnte Elemente auf, geht aber über weite Strecken in eine andere Richtung. Der Film versprüht nämlich ein gewisses Neunziger-Jahre-Flair, was vor allem daran liegt, dass Dialoge und Konstellationen teilweise an die Coen Brothers oder Tarantino erinnern – eiskalte Killer etwa, die über Gott und die Welt plaudern oder Gewalt, die auf schwarzen Humor trifft.
Kurz zur Handlung: Vincent (Ed Harris) lebt mit Frau und Adoptivsohn ein ruhiges Leben im ländlichen Maine. Bis rund um die Weihnachtsfeiertage plötzlich der Sohn aus erster Ehe, dessen schwangere Freundin und Vincents trinkender Ex-Frau (Jennifer Coolidge) in Vincents Ferienhaus auftauchen. Als wären die entstehenden Familienkonflikte nicht genug, ist dem leiblichen Sohn auch noch der skrupellose Mafioso Lefty (Bill Murray) auf den Fersen, der seinen tumben Henkersknecht Lonnie jede Menge naiver Landbewohner abknallen lässt. Als schließlich sämtliche Charaktere aufeinandertreffen, wird klar, dass Vincent und Lefty eine gemeinsame Vergangenheit verbindet – dunkle (Familien-)Geheimnisse werden gelüftet und schließlich ist niemand mehr seines Lebens sicher
Tonal geht der Mix aus Gewalt und Humor nicht in allen Szenen auf; statt sich zu vermengen, stoßen sich die Elemente öfter einmal ab. Doch schwingt sich der visuell nicht besonders aufregende Film (Bild und Set-Design haben eher etwas fernsehartiges) vor allem im letzten Drittel doch noch zu einer befriedigenden Dynamik auf, in der das Figuren-Uhrwerk ineinandergreift – im Zentrum dabei die Frage, was Familie ist und was man für sie zu tun bereit ist. Der größte Trumpf ist dabei die grandiose Besetzung, in der vor allem Ed Harris und Bill Murray überzeugen. Sie sind es, die den Film immer wieder mit der benötigten Tiefe bzw. komödiantischem Timing herausreißen. Leicht hätte man sich auch Harris als Killer und Murray als Familienvater vorstellen können, doch macht der Film gerade durch diese Rollenvergabe umso mehr Spaß. Wer also einen teils schleppenden Anfang akzeptiert und nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades erwartet, kann sich mit Riff Raff durchaus gut unterhalten.
