Perla - Film

Filmstart

Perla

| Ania Gleich |
Eine Geschichte, die von Flucht, Verlust und Sehnsucht nach einem Zuhause erzählt.

1981, Wien. Eine Stadt, in der vermeintliche Ruhe und Stabilität herrschen, während im Osten Europas der Eiserne Vorhang über das Leben entscheidet. Hier treffen zwei gegensätzliche Welten aufeinander: Perla, eine geflohene Dissidentin und Josef, ein Österreicher. Ihre Wege kreuzen sich auf einer Feier, wo Perla mit ihrer zehnjährigen Tochter Julia eingeladen ist. Für Josef scheint es eine zufällige Begegnung zu sein, doch er ahnt nicht, welchen Preis Perla für ihr Hiersein zahlen musste. Alexandra Makarovás Perla erzählt von einer Frau, die ihre Vergangenheit mit sich trägt wie eine unsichtbare Last – ein Schicksal, das sie mit vielen Exilanten teilt, die die Grenze aus der damaligen Tschechoslowakei überqueren konnten. Dort, wo einst Heimat war, herrschte ein Klima des Misstrauens, ein System, das Freunde in potenzielle Verräter verwandelte. Perla spricht nicht darüber. Sie will nach vorne blicken, in einer Welt, in der ihre Tochter bereits verwurzelt ist. Julia versteht Slowakisch, weigert sich aber, die Sprache zu sprechen – ein stiller Bruch mit einer Herkunft, die sie nicht gewählt hat.

Josef verliebt sich in Perla, und die drei werden zu einer Familie. Doch als Perla eines Tages einen Anruf aus ihrer alten Heimat erhält, dringt die Vergangenheit unaufhaltsam zurück: Andrej, Julias leiblicher Vater, ist aus dem Gefängnis entlassen worden und fordert, seine Tochter zu sehen. Er setzt Perla unter Druck, drängt sie zur Rückkehr. Trotz ihrer Ängste und Josefs Bedenken wagt sich Perla auf eine Reise zurück in das Land, das sie einst verlassen hat, wohl wissend, dass sie jederzeit von der Staatspolizei entdeckt werden könnte. Makarová inszeniert diese Heimkehr mit einer tiefen psychologischen Spannung. Die Straßen der alten Heimat sind vertraut und doch bedrohlich, Begegnungen mit alten Bekannten schwanken zwischen Nostalgie und Furcht. Besonders eindrücklich ist das Zusammenspiel von Perla und ihrer alten Liebe Andrej, der nicht mehr der Mann ist, den sie kannte. Die Kamera verweilt oft in Nahaufnahmen auf den Gesichtern der Protagonisten, fängt Unsicherheiten, Zweifel und unausgesprochene Emotionen ein.

Perla ist ein stilles, aber eindrückliches Drama über Verlust und Zugehörigkeit, über das, was Menschen mitnehmen – und was sie zurücklassen müssen. Es ist ein Film, der in vielen österreichischen Familiengeschichten Resonanz finden wird, weil er nicht nur von Flucht erzählt, sondern auch von der lebenslangen Sehnsucht nach einem Ort, an dem man ganz ankommen kann.