Viennale-Blog 10

Turturro hat ihn zurück geholt. Endlich.

| Julian Vierlinger |

11 Uhr, Gartenbaukino. Ein prall gefüllter Saal.
Und was folgt ist nichts weniger als die Rückkehr Woody Allens zur alten Glorie – unter der Regie von John Turturro.
Fading Gigolo
erzählt die Geschichte eines schrulligen jüdischen Altbücherhändlers (Woody Allen) in New York, der nach der Schließung seines Ladens mit seinem etwas jüngeren Mitarbeiter neue Geschäftszweige erschließen will – indem er besagten Herrn (John Turturro himself) an reiche, einsame Frauen vermittelt. An viele, reiche, einsame Frauen. Parallel zum Aufstieg des Duos im Reich des ältesten Gewerbes der Welt bietet der Film einen gelungenen Einblick in das orthodox-jüdische Williamsburg, oder genauer in die Welt und das Leben der schönen Rabbinerwitwe Avigal. Auch sie macht Bekanntschaft mit dem aufsteigenden Gigolo – jedoch auf gänzlich andere Weise. Die Beziehung bleibt gewissermaßen therapeutisch (und völlig koscher) und entwickelt sich mit der Zeit zu einer interkulturellen Romanze mit Hindernissen, die Turturro das Leben als Freudenjunge zu erschweren beginnt.
Fading Gigolo
ist nicht nur eine Liebeserklärung an das jüdisch-orthodoxe Brooklyn in all seinen Merkwürdigkeiten und ein ganzheitlich humoristischer Höhenflug, nein, er ist die Rückkehr Woody Allens zu dem, was ihn einst berühmt machte. Und er führt Woody zurück dahin wo er hingehört. Nach New York. Die Monologe vor Turturro erinnern an einstige Meisterleistungen wie Manhattan und What You Always Wanted to Know About Sex But Were Afraid to Ask. Seine Gesichtsausdrücke, als er, ohne zu viel zu verraten, von einem Mob Gangster-Hasidim entführt und vor ein verstaubtes Rabbiner-Tribunal geschleppt wird, sind, wie damals, einzigartig.
Fading Gigolo
lässt hoffen auf mehr, hoffen auf den alten Woody Allen und nicht zuletzt auch auf seinen am Samstag in die Viennale-Kinos einziehenden Film Blue Jasmine.
Danke sehr, Herr Turturro.