Porträt des titelgebenden Künstlerpaars
Von ihrer ersten Begegnung an fühlen sich Gabriele Münter und ihr elf Jahre älterer Lehrer Wassily Kandinsky zueinander hingezogen. Aber ihre Liebe nimmt aus vielerlei Gründen zerstörerische Züge an. Weitgehend chronologisch erzählt Marcus O. Rosenmüller die wechselvolle Lebensgeschichte der beiden bedeutenden Vertreter des Expressionismus, die sich eine gemeinsame Existenz aufbauen und im oberbayerischen Murnau die viel beachtete Künstlerbewegung „Der Blaue Reiter“ gründen. Ihre unterschiedlichen Auffassungen spiegeln sich schon in ihren Entwicklungen und Stilen: Münter reduziert ihre Bilder, darunter viele Alpenlandschaften, zunehmend auf das Wesentliche. Kandinsky dagegen wendet sich verstärkt der Abstraktion zu.
Mehr noch als für die Kunst interessiert sich Münter & Kandinsky jedoch für die zwischenmenschlichen Konflikte zwischen Lehrer und Schülerin. So wie er ihr verschweigt, dass er verheiratet ist und ihre Geduld auf eine große Probe stellt, bis er endlich mit ihr zusammenzieht, erweist sich Kandinsky als ein schwieriger Partner. Jedoch hütet sich Rosenmüller vor dem klischeereichen Porträt eines Patriarchen, der keine starke Frau neben sich ertragen kann. Vielmehr entwickelt das authentisch anmutende Drehbuch von Alice Brauner, das viele Sätze aus dem Briefwechsel des Paares zitiert, eine differenzierte Sicht auf die Protagonisten.
Und so verkörpert Vanessa Loibl in der Titelrolle keine uneingeschränkte Musterheldin, sondern eine ambivalente Figur: selbstbewusst in der Weise, wie sie aus dem Schatten eines gefeierten Mannes heraustritt und sich darauf versteht, ihre Kunst zu verkaufen. Zugleich aber auch überheblich, wenn sie wie eine Diva die Bilder einer Kollegin abqualifiziert und damit Konflikte provoziert, an denen der „Blaue Reiter“ fast gescheitert wäre.
Als Kandinsky im Ersten Weltkrieg nach Moskau reist, kommt es zum endgültigen Bruch in der Beziehung. Er heiratet eine junge Russin, was er Münter zunächst verheimlicht, für sie bricht eine Welt zusammen. Aber eine Verbundenheit bleibt: Im Zweiten Weltkrieg versteckt Münter die Kunst ihres Ex-Geliebten, die unter dem NS-Regime als „entartet“ gilt, vor den Nazis.
Visuell entfaltet die streckenweise unaufgeregte Erzählung ihren größten Reiz, wenn sie risikofreudig eigene künstlerische Ambitionen entwickelt, etwa Musik und Bild in Beziehung zueinander setzt. In der vielleicht stärksten Szene pinselt Kandinsky zum wilden Klavierspiel eines Stücks von Arnold Schönberg leuchtende Farben auf seine Leinwand.
