Viennale-Blog 15

Regimekritik mit Tiefgang

| Julian Vierlinger |

Dast-neveshtehaa nemisoozand (Manuscripts Don’t Burn) von Mohammad Rasoulof

Tehran. Zwei Handlanger der Regimes befassen sich mit ihrer Mission, eine Gruppe intellektueller Autoren und Poeten, die sich zu Ungunsten der Regierung äußerten – und noch dazu ein politisches Komplott aufdeckten – unschädlich zu machen. Der eine moralisch losgelöst und ganz seinem zwielichtigen Beruf verschrieben, der andere des Geldes wegen. Sein Sohn liegt im Krankenhaus. Er wird sterben, wenn die Behandlung nicht finanziert werden kann. Paralell dazu die Geschichte ihrer Opfer, frustriert und entgeistert ob der Ausweglosigkeit ihrer Situation, und der Ohnmacht, mit dem sie ihrem Schicksal entgegentreten müssen: dem sicheren Tod.
Die Bilder sind grau, dunkel. Das Land liegt im Schnee, unter dunklen Wolken. Sonne und Farben fehlen gänzlich.  Bedrückend ist kein Begriff, der die unwirkliche Atmosphäre des Films adäquat ausdrücken könnte. Rasoulof scheut sich nicht, brutale, ekelerregende Folter geradeaus, zentriert im Bild darzustellen. Man leidet physisch mit, mit den Charaktären, psychisch mit ihren Geschichten. Manuscripts Don’t Burn geht unter die Haut, drückt sich in die Magengrube, lässt einem keinen Ausweg, verfolgt einen bis unter die Bettdecke.
Und als im Abspann gesagt wird, dass die Mitwirkenden des Films aufgrund von Zensur und möglicher Verfolgung nicht genannt werden wollen, wird einem klar, wie real die Geschichte ist.
Rasoulofs Film zeigt mit schmerzhafter Grausamkeit die gesellschaftliche Situation im Iran von heute. Einem Land, in dem freie Meinungsäußerung ein Verbrechen ist und mit dem Tod bestraft wird. Manuscripts Don’t Burn ist gemeinsam mit dem palästinensichen Metran min hada al-turab (Two Meters of This Land) der wohl politischste Film der diesjährigen Viennale.