From the World of John Wick: Ballerina

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From the World of John Wick: Ballerina

| Marc Hairapetian |
Hallstatt by Night: Das aus weiblicher Perspektive erzählte Spin-off ist ein Anwärter auf den besten Action-Thriller des Jahres.

„Die Suche nach der Wahrheit hat zur Vertreibung aus dem Paradies geführt. Sind Sie bereit, daraus vertrieben zu werden?“, fragt der als Manager des vorrangig Auftragsmörder beherbergenden Continental-Hotels in Manhattan stets elegant gewandete Winston Scott (Ian McShane) die schöne, aber gefährliche Eve Maccaro (Ana de Armas). Diese ist auf der Suche nach den Mördern ihres Vaters und hat sich deshalb der weit verzweigten Mafia-Familie der Ruska Roma angeschlossen, um sich unter dem Deckmantel einer Balletttänzer-Ausbildung als kaltblütige Killerin zu verdingen.

Mag auch für viele Cineasten ein weiblicher James Bond, Agentin 007, undenkbar sein, in der Gegenwelt eines bezahlten Mörders mit durchaus ethischen Ansätzen wie John Wick funktioniert der Blick aus feministischer Sicht bestens. Ana de Armas, die schon in Daniel Craigs Abschiedsvorstellung als James Bond in No Time to Die ihre Kampfkünste demonstrierte, schaffte den Durchbruch in Eli Roths satirischem Horror-Kammerspiel Knock Knock (2015) an der Seite von Keanu Reeves. 

Als schussgewaltige Ballerina trifft sie im Spin-off erneut auf Reeves in der Rolle des John Wick. Er ist hier allerdings nach dem vierten Teil der Kult-Reihe aus dem Jahr 2023 nicht von den Toten auferstanden, sondern mischt in einer Zeit vor seinem filmischen Ableben beim spektakulären Showdown mit. Dieser findet in einer pittoresken Marktgemeinde im österreichischen Salzkammergut statt: „Haben Sie Hallstatt schon bei Nacht gesehen?“, möchte man in leicht abgewandelter Form Liedermacher Reinhard Fendrich zitieren. Es ist nicht nur für de Armas ein unvergessliches Erlebnis, wenn bis auf John Wick und die Kinder des Ortes anscheinend alle der 741 Einwohner Jagd auf sie machen.

Underworld-Regisseur Len Wiseman hat im Schlussdrittel einen modernen, äußerst stylischen Schnee-Western gedreht. Bei all den brutalen Kampfszenen, die das Gun-Fu-Subgenre noch einmal auf ein höheres Level hieven, begeistert der mit zahlreichen Charakterdarstellern wie Anjelica Huston als Ballett-Direktorin und Gabriel Byrne als „Kanzler“ bezeichnetem Widersacher besetzte Action-Thriller mit philosophischen Dialogzeilen. Bemerkenswert auch die subtilen Momente des Blutbads: Der Dualismus der Protagonistin, die bei ihren Gegnern nicht lange fackelt, zeigt sich, wenn sie in Verschnaufpausen die Miniatur-Ballerina einer Spieldose aus ihrer Kindheit betrachtet und dazu in Gedanken versunken Tschaikowskis „Schwanensee“ lauscht.