Liebenswürdiger Film für Kinder und Begleitpersonal
Noah Reed ist ein freundlicher Teenagerjunge mit viel Fantasie, der mit seiner Mutter auf der schicken Urlaubsinsel Martha’s Vineyard lebt. Er will in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters, eines verdienstvollen Journalisten, treten. Also sucht er das ungewöhnliche Ereignis und das Abenteuer, entdeckt Geheimnisse und geht Legenden nach – und damit so manchem mächtig auf die Nerven. Endgültig überspannt er den Bogen, als er das veränderte Verhalten einiger kurzzeitig verschwundener Jugendlicher dem sinistren Wirken einer bösen Hexe zuschreibt. Und weil das noch nicht reicht, holt er im Zuge seiner eigenmächtigen Ermittlungen den kauzigen Eigenbrötler und Ex-Cop Gene Carruthers (Mel Gibson) ins Boot, der gerüchteweise Frau und Kind ums Eck gebracht hat.
Der Nostalgiefaktor von Monster Summer ist beträchtlich: Mehr oder weniger harmonisches Kleinstadtleben in idyllischer Umgebung; weit und breit keine digitalen Stressfaktoren wie Mobiltelefone und Computerbildschirme; Baseball spielende Freunde, die gemeinsam durch dick und dünn gehen; ein Baumhaus, in dem Pläne geschmiedet werden. Fast kommt man sich vor wie auf Besuch bei den Waltons. Wenn da nur nicht diese Hexe wäre. Ohne viel Vertun nämlich stellt Regisseur David Henrie klar, dass dieser Monstersommer ernst zu nehmen ist, dass mithin sein Film keine psychologisch-metaphorisch verschwurbelte Coming-of-Age-Story darstellt, sondern auf die altehrwürdig überlieferten narrativen Traditionen von Märchen zurückgreift, um – tja, was nun? Kinder vermittels Schreckgestalten zum Gehorsam zu erziehen? Wohl eher, Kindern in der Auseinandersetzung mit Schreckgestalten ein Bewusstsein ihrer eigenen Fähigkeiten zu vermitteln. Es geht also um Selbstermächtigung. In Zeiten wie diesen, so Henrie, sei es notwendiger denn je, Geschichten zu erzählen, die Mut machten, sich der Finsternis entgegen zu stemmen. Wohl wahr. Allerdings fragt sich, ob das vorliegende Exempel fürs Mutmachen am Ende nicht doch etwas zu zahnlos daher kommt. Allzu leicht fällt es, sich an Monster Summer als einem liebenswürdigen Kinderfilm zu erfreuen, dem die Charaktere wichtiger sind als Krach und Krawall und der sorgsam darauf bedacht ist, sein junges Zielpublikum nicht zu arg zu entsetzen. Im Vergleich mit dem gegenwärtigen Hochgeschwindigkeitskino ist David Henrie sozusagen mit angezogener Handbremse unterwegs. So bleibt er zwar dem Märchenhaften treu, die gute Botschaft gerät dabei jedoch etwas ins Hintertreffen.
