Viennale-Blog 17

Bauyr

| Max Paier |

Serik Aprymovs Bauyr (Little Brother) handelt von Yerken, einem neunjährigen kasachischen Jungen, der allein in einem Dorf lebt. Die Mutter ist gestorben, der Vater ist ins Nachbardorf zu einer neuen Familie gezogen, und der Bruder studiert in der Stadt. Yerken kann aber für sich selbst sorgen und schlägt sich wacker durchs Leben. Er hält ein Schaf, das er schlachten möchte, sobald sein Bruder ihn besucht, und er verdient etwas Geld mit dem Verkauf von selbst hergestellten Bausteinen.
Anfangs ist Bauyr etwas langwierig, nimmt aber mit dem Besuch des großen Bruders langsam Fahrt auf.  Das Bemerkenswerte an Bauyr ist die Art, mit der der Film erzählt wird: Ohne Musik, keine Melodramatik – nur ein kleiner Junge, der in der großen Welt zurechtkommen muss. Gekonnt inszeniert der Regisseur Szenen zwischen den Brüdern, in denen sie wrestlen, im Kino sind oder einfach nur im Bett sitzen. Der Regisseur legt dabei immer wert darauf, das Geschehen aus einer beobachtenden Perspektive zu zeigen. Dabei benutzt Aprymov eine so ausdrucksstarke Bildsprache, wie ich sie selten gesehen habe: Yerken geht in einer immer größer werdenden Totalen einsam über die staubigen Straßen in seinem Dorf. Der große Bruder im Film wird übrigens vom kleinen Bruder des Regisseurs gespielt.
Leider zieht sich der Film stellenweise, und das Sounddesign zeigt Schwächen – Geräusche sind viel zu laut oder viel zu leise für das, was auf der Leinwand passiert.
Aber das ist auch das Einzige, was mir an Bauyr nicht gefallen hat.