Mit Sickfuckpeople, seinem ersten langen Dokumentarfilm, hat der junge ukrainische Regisseur Juri Rechinsky einen der unangenehmsten Filme der Viennale gedreht. „Bitte verlassen Sie den Saal nicht bereits nach der Drogenszene“, meinte Rechinsky vor Beginn des Films.
Ein paar Kinder im Alter von 14 bis 17 in einem Keller irgendwo in der ukrainischen Hafenstadt Odessa sind dabei, sich einen Schuss zu setzen. Sie ziehen das Gift, das sie für kurze Zeit high machen soll, in eine Spritze, injizieren sich das Mittel und geben dann dieselbe Spritze weiter. Furchtbar ekelhaft – am liebsten wäre ich gegangen.
Zwei Jahre später besucht der Regisseur die Kids von damals erneut, um sie dabei zu finden, wie sie verzweifelt versuchen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Einer der Jugendlichen möchte zu seiner Familie zurückkehren, findet diese in seinem alten Dorf aber nicht mehr. Sie sind nach Kiew gezogen, aber keiner der Nachbarn weiß genau, wohin.
Ein Mädchen möchte ihr Kind zur Welt bringen und bittet ihre Schwestern um Hilfe. Sie begleiten die junge Drogenabhängige ins Krankenhaus und drängen sie zu einer Abtreibung. „Das arme Kind hat doch keine Zukunft. […] Für mich ist meine Schwester kein Mensch!“, sagt eine der Schwestern.
Das wirklich Schlimme an Sickfuckpeople sind die Auswirkungen der Drogen auf die Menschen, welche in dem Film gezeigt werden. Der Drogenkonsum hat sie vergessen lassen, ordentlich zu sprechen oder normal zu gehen. Gebrochene Geister in gebrochenen Körpern. Nicht mal die eigene Familie steht mehr zu ihnen.
Ein Film über Menschen, die keine realistische Chance auf ein halbwegs geordnetes Leben haben, doch trotzdem versuchen, sich an jede noch so kleine Hoffnung klammern. Denn, wie ein Mädchen in Sickfuckpeople sagt: „Liebe kennt kein Arm und kein Reich.“
