Viennale-Blog 33

The Act of killing

| Anna Theiretzbacher |

Zu allererst möchte ich betonen, das dieser Text keine Filmkritik sein soll. Dies ist ein Kommentar von mir, einer 17-jährigen Schülerin.  Ich beschreibe alleine die Wirkung des Films auf mich und meine persönliche Sicht der Dinge.
Im Dokumentarfilm The Act of Killing von Regisseur Joshua Oppenheimer, geboren 1974 in Texas, und Christine Cynn, erzählen indonesische „Gangster“ von ihren Taten. Mitte der sechziger Jahre ermordeten diese Anhänger paramilitärischer Organisationen Millionen von „Kommunisten“, Gegner des politischen Regimes, Intellektuelle, Gewerkschafter, Chinesen. An Kriegsverbrechertribunale, Wiedergutmachung oder Entschuldigung ist nicht zu denken. Heutzutage sitzen viele Mörder noch immer an der Spitze der indonesischen Regierung und werden als Volkshelden gefeiert.
Die Interviewer bitten sie, die Morde und Folterverhöre szenisch darzustellen. Heraus kommen Gespräche mit eiskalten Gangstern, die kein Quäntchen Reue zeigen, Musicalnummern mit tanzenden, halbnackten Frauen und lustige Erzählungen von Exekutionen, unterbrochen von Gesang und Tanzeinlagen.
Ich gebe zu, in Wien ist dies nicht üblich und ehrlich gesagt habe ich dies auch noch nie zuvor getan, aber nach eineinhalb Stunden habe ich den Kinosaal vorzeitig verlassen. Leider kann ich nicht genau definieren, weshalb, aber ich versuche es hier.
Das Thema fand ich äußerst interessant, den ich habe noch nie etwas über die Geschichte Indonesiens erfahren. Doch dieser Film zeigt meiner Meinung nach nur reulose Mörder, die mit großer Freude über ihre blutigen Taten berichten. Für mich ist dies keine Tabu-Themen aufgreifender Dokumentarfilm, sondern ein trauriges Abbilden furchtbarer Gewalt.
Jeder Zuseher soll sich sein eigenes Bild machen. Doch ich bin überzeugt, dass man dafür etwas „kaltherziger“ sein sollte, als ich es vielleicht bin. Ich wollte keine Sekunde meines Lebens mehr dafür geben, zuzusehen, wie Männer stolz und erhobenen Hauptes von menschenrechtsverletzenden Gräueltaten schwärmen und Politiker Hass und Gewalt predigen. Auch wenn der Regisseur, der übrigens der Leiter der Forschungsgruppe „Genocide and Genre“ des britischen Art and Humanities Research Council ist, „die Wahrheit abbilden“ und damit weitere vergleichbarere Taten verhindern möchte.