Was tun, wenn es knallt?
Im Vorspann von Kathryn Bigelows explosivem Politthriller heißt es nüchtern, die Phase der Deeskalation sei vorbei und die Gefahr eines nuklearen Konflikts würde zunehmen. Der Film, der darauf folgt, ist eine Warnung – atemlos, hochaktuell und beklemmend realistisch. Die Regisseurin fragt: Wer entscheidet, wenn es darauf ankommt? Auf welcher Grundlage? Mit welchem Recht? Und welchem Ziel? Dafür konstruiert sie, basierend auf Noah Oppenheims vielschichtigem Drehbuch, ein nervenaufreibendes Katastrophenszenario, das eher an Sidney Lumets Fail Safe erinnert als an Kubricks makabere Satire Dr. Strangelove. Es herrscht Krise hoch drei im Weißen Haus.
An einem beliebigen, scheinbar harmlosen Morgen schalten im Lagezentrum des offiziellen Amtssitzes des US-Präsidenten (Idris Elba) plötzlich alle Alarmsysteme auf Rot. Kurz zuvor hatte eine Frühwarnstation in Alaska den unerwarteten Abschuss einer Atomrakete im Pazifik gemeldet. Routiniert leitet die diensthabende Offizierin Olivia Walker (Rebecca Ferguson) alle nötigen Schritte für die Abwehr eines nuklearen Angriffs auf die USA ein. Erst gehen alle noch von einem Fehler im System aus. Doch vorsichtshalber werden gleichzeitig Telefonate rund um den Globus organisiert, mit Russland, China, Nordkorea – aber keiner will für den mutmaßlichen Anschlag verantwortlich sein.
Nachdem der Versuch, das feindliche Geschoss abzufangen, scheitert, eskaliert die Situation. Mittlerweile ist klar: Der Atomsprengkopf bewegt sich mit alarmierender Genauigkeit auf Chicago zu. Bis zur letzten Sekunde beraten die Verantwortlichen per Videoschaltung, ob und gegen wen man einen Vergeltungsschlag ausführen und damit den Dritten Weltkrieg riskieren sollte, obwohl man den wahren Feind nicht kennt. „Das ist Wahnsinn“, wirft der mit der Situation sichtlich überforderte Präsident seinen Beratern an den Kopf. „Nein, es ist die Realität“, korrigiert ihn sein oberster General (Tracy Letts) resigniert. Dann wird die Leinwand schwarz.
18 Minuten dauert der ganze Horror, dann beginnt der Countdown von vorn. Dreimal wird in A House of Dynamite das Szenario durchgespielt, jeweils aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei baut sich der Druck jedoch nicht ab, nur weil man den Ablauf kennt. In einem raffinierten Mix aus komplexem Krisenmanagement und persönlichem Drama zeigt Bigelow mit überwältigender Präzision und Geschliffenheit: Auch die abgebrühtesten Militärs und nobelsten Staatsmänner sind am Ende nur Menschen, denen Angst und Bange wird, wenn die nukleare Bedrohung nicht mehr nur auf der Hand, sondern der Zeigefinger tatsächlich auf dem roten Knopf liegt.
