Sam Peckinpahs herausragender Actionthriller mit Steve McQueen ist nun als Mediabook erschienen.
Zu Beginn der siebziger Jahre stand Steve McQueen auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er verkörperte klassische Figuren des amerikanischen Kinos wie den Gunman in The Magnificent Seven ebenso souverän und glaubwürdig wie einen Matrosen des US-Navy, der immer mehr an der Sinnhaftigkeit seines Kommandos zweifelt (The Sand Pebbles). Dazu strahlte McQueen eine natürliche Lässigkeit aus – eine Eigenschaft, die er fein nuanciert in viele seiner Rollen einfließen ließ – und ihm den Ruf als „King of Cool“ eintrug. Ein Image, das es ihm auch ermöglichte, Akzeptanz unter den Vertretern der Gegenkultur zu finden. McQueens anfängliche Bedenken, eine Rolle als Cop würde in der Flower-Power-Community nicht gut ankommen, erwiesen sich als unbegründet. Seine Darstellung des unkorrumpierbaren Polizisten in Bullitt geriet zu einem seiner größten Erfolge.
Soweit also die Vorzeichen für die Zusammenarbeit zwischen Steve McQueen und Regisseur Sam Peckinpah, der seinen Status als Auteur in Hollywood stets kompromisslos zu verteidigen wusste. Die Rolle, die McQueen im Actionthriller The Getaway übernahm, erscheint geradezu prototypisch für einen von ihm gespielten Charakter, folgt er doch als Berufsverbrecher Carter „Doc“ McCoy einem strikten, individuellen Wertesystem. Um eine langjährige Haftstrafe in einem texanischen Gefängnis durch Bewährung abzukürzen, soll Docs Frau Carol (Ali MacGraw), den zwielichtigen Geschäftsmann Jack Beynon, der allerlei Fäden zu ziehen weiß, um Hilfe zu bitten. Tatsächlich erreicht Beynon rasch Docs Freilassung, doch das hat seinen Preis. Doc McCoy soll einen Banküberfall planen und ausführen, Beynon die Beute einkassieren – kein von Doc geschätzter Kompromiss, doch ein Quid pro quo, das er noch akzeptieren kann. Der Überfall selbst geht reibungslos vonstatten, doch als ein Mittäter versucht, Doc zu erschießen, wird diesem schnell klar, dass Beynon ein übles Spiel treibt. Doc McCoy und Carol bleiben nur die Flucht nach Mexiko als Überlebenschance.
Peckinpah hat The Getaway höchst präzise, geradlinig inszeniert, Einflüsse des Noir-Krimis sind unübersehbar. Die gnadenlose Härte, mit der die Auseinandersetzungen zwischen Doc McCoy und seinen Verfolgern ablaufen, unterstreicht Sam Peckinpah durch das für ihn typische Stilmittel der Zeitdehnung. Steve McQueen agiert inmitten des blutigen Geschehens mit einem unnachahmlich lakonischen Gestus, zudem harmonierte er blendend mit Ali McGraw. Ein Jahr später waren die beiden auch im richtigen Leben verheiratet.
