Linn Rott © Gregor Lechner
Linn Rott © Gregor Lechner

Evergreen Prisma

Touch Green

| ray Filmmagazin |
Das bunte Energiebündel Evergreen Prisma spielt als Kompetenzzentrum für nachhaltiges Filmschaffen längst auf der europäischen Klaviatur des Green Filming. Seit letztem Jahr verstärkt es sein Instrumentarium für die grüne, internationale Koproduktion. Evergreen Prisma steht fest auf zwei Standbeinen: Das eine ist im Jetzt verankert, das andere im Morgen. Wir haben Linn Rott, die Leiterin des Evergreen Prisma, nach dem Jetzt und dem Morgen von Green Filming gefragt.

ray Filmmagazin: Bevor wir das Morgen von nachhaltigem Filmschaffen erkunden – wie sieht das Jetzt des nachhaltigen Filmschaffens in Österreich aus und worauf fußt es?
Linn Rott:
Das qualitätsvolle Jetzt in Sachen Green Filming in Österreich lässt sich so zusammenfassen: Das Trio Green Film Consultancy, Green Funding und Green Production ergänzt sich in Österreich äußerst systematisch. Alle Fachperspektiven wurden zunächst solide miteinander verwoben und haben sich seither stets miteinander weiterentwickelt. Die Grundlage für dieses effektive Transformationssystem war zunächst die Vermittlung von fundiertem Wissen in Verbindung mit kreativen Zugängen. Wir sind anfangs einer Vision gefolgt, eine mutige Angelegenheit und eine für den langen Atem. Seit Beginn unserer Arbeit 2018 haben wir die Aktionskreise des institutionellen und des professionellen Sektors gleichermaßen belebt, wir waren jeweils Teil davon. Die Schnittmenge beider Aktionsräume vergrößern wir seither kontinuierlich. Die durch uns in der täglichen Praxis etablierte und angewandte Kompetenz durch Green Film Consultants und in Filmförderinstitutionen selbst wirkt bei der nachhaltigen Umsetzung von Filmprojekten etwa im Kinofilmbereich heute auch deshalb optimal zusammen. Zusammen mit dem Green Filming Department des ÖFI ermöglicht und trägt das vielschichtige Evergreen Prisma die nachweislich effektive, grüne Projekttransformation in Österreich, wie wir sie heute haben. Bald erscheint dazu der erste Green Report des ÖFI Green Filming Departments.

Evergreen Prisma

Evergreen Prisma – Competence Center for Green Filming Europe


Im letzten Jahr gab es den ersten Green Filming Report der EU, in dem das Synergiesystem des Evergreen Prisma stark hervorgehoben wurde. Können Sie uns dazu Näheres berichten?

Ja, unsere Arbeit ist dem European Audiovisual Observatory, einem Teil des Europarates, aufgefallen. Die strategische Vorgehensweise des Evergreen Prisma Synergiesystems mit seinen vielseitigen Instrumenten, seinem intelligenten Schwarm an Fachkräften und natürlich die herausragende Arbeit des ÖFI Green Filming Departments unter Leitung von Nina Hauser werden im ersten Green Filming Report Europas ausführlich porträtiert. Auch unser CO2-Rechner für Film & TV als Teil eines Brückeninstrumentarium der EU ist Teil des Reports und die Arbeit unserer Arbeitsgruppen, etwa der Green Co/Pro Europe, die wir 2022 gegründet haben, findet sich ebenfalls genau beschrieben. Der Report wurde durch das European Audiovisual Observatory im April 2025 in drei Sprachen mit dem Ziel herausgegeben, unser besonders ganzheitliches System anderen Ländern der EU, die noch keine effektiven Systeme für Green Filming haben, als potenziell transferierbares, institutionell verankertes System für nachhaltiges Filmschaffen näherzubringen. Wie wir für die Umstellung auf nachhaltiges Filmschaffen Schritt für Schritt vorgegangen sind bzw. wie wir das Qualitätslevel Schicht um Schicht von Jahr zu Jahr bis heute gesteigert haben, ist für andere Länder und Institutionen augenscheinlich von großem Interesse. Das sehen wir auch an den vielen Anfragen, die bei uns dazu eintreffen.
Und seit 1. Jänner 2026 ist in Österreich sogar die Verpflichtung zu Green Filming für Kinoproduktionen durch das Österreichische Filminstitut verankert worden, ganz klar ein Meilenstein auch im europäischen Kontext.

Evergreen Prisma, ÖFI Green Filming: CO2-Rechner für Film und TV Austria.

Evergreen Prisma, ÖFI Green Filming: CO2-Rechner für Film und TV Austria.

 

Mit dem ÖFI verbindet sie seit 2020 eine solide Kooperation. Wie gehen sie gemeinsam vor?
Als Evergreen Prisma Joint Network stellen wir als öffentliche Institutionen kollektive Instrumente zur Verfügung, etwa den nationalen CO2-Rechner für Film & TV in Österreich in Verbindung mit Anreizen für Green Funding zu bestimmten Bedingungen, mit Maßnahmen, die nachweislich einzulösen sind und geprüft werden. Dafür wurden anspruchsvolle Qualitätskriterien und glaubwürdige Prozesse von geschulten Expert:innen wie Nina Hauser und Christian Ruthner entwickelt. Wir ermöglichen durch gemeinsame Wissensvermittlung auch deren praktische Umsetzung. Als Nachhaltigkeitsexpert:innen fördern wir ganz real sowohl generationsübergreifendes als auch länderübergreifendes Green Filming. Für die nachhaltige, internationale Koproduktion verbinden wir seit Gründung der Arbeitsgruppe GREEN CO/PRO EUROPE im Jahr 2022 auch stetig andere erfolgreiche Systeme und Instrumente mit unseren und bauen dafür Schritt für Schritt ein entsprechendes Brückeninstrumentarium zu anderen Filmländern auf.

Wie sieht ihre Arbeit als Kompetenzzentrum heute im nationalen und internationalen Kontext aus?
Wir setzen das Evergreen Prisma weiter für die Bildung nachhaltiger Denkweisen und Verhaltensänderungen ein. Unsere miteinander interagierenden Instrumente sind dabei die Hebel, mit denen wir die Entwicklung in Richtung angewandte Praxis von nachhaltigem Filmschaffen lenken. Durch Bildung und den Wissensschatz, den wir zur Verfügung stellen, durch filmspezifische Klimakommunikation und unsere (inter-)nationale Netzwerkarbeit. Besonders durch die Bildung unseres Wissenskollektivs ermöglichen wir den Zusammenschluss von Kräften, um real wirksame Maßnahmen anzuwenden. Hier ergänzen sich Filmschaffende und Institutionen in ihren Möglichkeiten, Aufgaben und Talenten. 

Nach der Umstellung auf die neue, nun zweisprachige Version unseres CO2-Rechners für Film & TV im Herbst 2025 bringen wir das Evergreen Prisma bald mit einer neuen Startseite in das frische Jahr. Unser digitaler Service wird ab jetzt auch die Green Film Consultancy Europe stark mit einbinden.

Um die Transformation in der Filmlandschaft weiter zu voranzutreiben, bauen wir unser Wissensspektrum außerdem wieder durch ein jährliches Pilotprojekt aus. Dafür entwickeln wir gerade eine spezielle Editionsreihe für Klimakommunikation, durch die wir Zusammenhänge genauer betrachten und wichtige Bezugspunkte etwa für Green Film Consultancy stärker erforschen wollen. In diesem Jahr widmen wir uns außerdem wieder der Arbeit mit dem Nachwuchs in Sachen Green Filming – hierzu gehört die Weiterführung der Kooperation mit dem Talent LAB, der Förderschiene für den Nachwuchs des Österreichischen Filminstituts, deren fünf ausgewählte Projekte wir auch heuer wieder mit vier Green Film Consultants der Evergreen Prisma Academy und unserem Wissenstransfer unterstützen. Und nachdem wir im letzten Jahr im Rahmen des Filmfestivals in Cannes ein international besetztes Panel zum Thema veranstaltet haben, beleuchten wir in diesem Jahr die internationale, grüne Koproduktion besonders konzentriert. Hierzu werden wir etwa noch mehr Projektbeispiele unter der Rubrik Green Filming Practice im Bereich Panorama präsentieren. Darunter auch Rose, das deutsch-österreichische Green-Filming-Kinoprojekt in der Regie von Markus Schleinzer mit der Starbesetzung Sandra Hüller in der Hauptrolle, das seine Weltpremiere auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen Bären feiert. Wir freuen uns sehr, dass wir das Projekt als europäisches Kompetenzzentrum für Green Filming unterstützen konnten. Der Film ist auch monetär durch das Land Niederösterreich gefördert worden.

Können Sie uns schildern, womit sich die bereits 2022 von Ihnen gegründete Arbeitsgruppe Green Co/Pro Europe beschäftigt?
Wenn wir auf die Arbeit der internationalen Arbeitsgruppe GREEN CO/PRO EUROPE schauen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, hochwertige Systeme zu verknüpfen und vorausschauende Strategiearbeit über Landesgrenzen hinweg zu leisten, lässt sich 2026 klar feststellen: Das Thema kommt erst langsam in Europas Filminstitutionen an. Als Green Filming Expert:innen gestalten wir bereits seit 2022 gemeinsam die für internationale, grüne Koproduktionen notwendigen Prozesse. Unser Erfahrungsschatz ist unsere Grundlage. Wir arbeiten hier mit Partner:innen aus Filminstitutionen und Expert:innen aus Ländern mit bereits etablierten grünen Maßnahmen. Hier bezieht sich die durch uns angestrebte Weiterentwicklung auf die Verschränkung der Modelle für nachhaltiges Filmschaffen. Wir gestalten die Innovation gemeinsam, basierend auf sachlichen Grundlagen, die teils länderspezifisch, auch kulturell bedingt gewachsen sind. Durch unsere Kooperation können wir sie besser verstehen lernen und Brückenlösungen finden, etwa bei der Anerkennung von Kriterienkatalogen oder Projektprüfungen. Die Basis dafür bilden gleiche und ähnliche Instrumente, das sind etwa für die DACH-Region die Professional Green Film Consultancy und die Anerkennung von Green Film Consultants aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz mit vergleichbarem Ausbildungsniveau. Dann der CO2-Rechner für Film & TV von KlimAktiv, der in allen DACH-Ländern etabliert ist. Das Thema Kriterienkatalog als hochwertige, länderspezifische, jedoch auch gemeinsame Basis mit seinen jeweiligen Evaluations, Prüf- und Verifikationssystemen, glaubwürdigen Zertifizierungsprozesse und seinen digitalen Instrumenten dafür.

Wichtig für diese Arbeit ist auch unser Austausch zu konkreten Filmprojekten, durch den wir viel lernen können, gerade was zukünftige Stellschrauben anbelangt oder auch Vereinfachungen in Abläufen ohne Qualitätsverlust. Hier werden gemeinsame Koproduktionen herangezogen und diskutiert, dadurch lassen sich eben auch die länderspezifischen Prozesse für Green Funding gut verstehen, wenn möglich länderübergreifend verbessern. Und damit natürlich auch die gesamte Praxis für Green Filming, etwa für die Green Film Consultants aus verschiedenen Ländern, die für Koproduktionen im Tandem arbeiten.

Als Evergreen Prisma freuen wir uns, diese effektive Arbeitsgemeinschaft bereits im April 2022 vorausschauend gegründet und damit die nächsten, gezielten Schritte für wirksames Green Filming & Funding in Europa impulsiviert zu haben. Auf Basis der bisherigen Erfahrung mit grünen Produktionen, den damit verbundenen Prozessen grüner Förderanreize, praxisorientiertem Green Filming Service, etablierter Maßnahmen-Kataloge und deren Umsetzungspraxis gestalten wir das Modell der grünen, internationalen Koproduktion.

Wenn sie an das Morgen der grünen Transformation in der Filmlandschaft denken, was sehen sie?
Der Lernprozess geht für alle an einer Filmproduktion Beteiligten immer weiter. Wir sind inmitten eines notwendigen, gesellschaftlichen Wandels. Wir haben gelernt, langfristige Konsequenzen mitzudenken. Wissen ist ein überaus wertvolles Werkzeug, aber es muss noch stärker verknüpft werden mit Kreativität und vor allem mit Aufmerksamkeit für Zusammenhänge, Kreisläufe und Wechselbeziehungen. Wir stellen wieder mehr Kontakt zueinander her und übernehmen als Gemeinschaft und als Individuen real Verantwortung für unsere Umwelt. Diese Weiterentwicklung ist fließend und geschieht auf vielen Ebenen gleichzeitig. Bis sich etwas zusammensetzen lässt zu etwas Grundlegenden, etwa zu einer planetarischen Gesellschaft. 

Im Filmbereich hoffentlich auch, wie die Verpflichtung von Green Filming für Kinofilmproduktionen durch das ÖFI seit Beginn des Jahres. Morgen haben sich alle Prozesse zu neuen, gemeinsamen Arbeitsabläufen zusammengesetzt, die auf unzähligen Erfahrungen basieren, die wir fair teilen und alle Bereiche und Rollen umfassen, die für internationales Filmschaffen notwendig sind. Es geht uns stets um die weitere Integration fundierter Fähigkeiten, das sogenannte nächste Level von Green Filming & Funding. Wir entdecken die kreativen Möglichkeiten darin. Und darauf achten wir, darauf zielen wir in unserer Arbeit ab. Den Blick auf die Zukunft haben wir fürsorglich immer dabei.