Eine Reise in die Vergangenheit, in der Freundschaft und Geschichte untrennbar ineinandergreifen.
Norbert Lechners neuer Film wagt sich an ein Sujet, das schon unzählige Male bemüht wurde: Zeitreisen. Und doch gelingt es ihm, diesem Motiv eine frische Richtung zu geben. Karli, zwölf Jahre alt und gerade mit seiner Familie in ein heruntergekommenes Alpenhotel gezogen, das diese neu beleben wollen, entdeckt einen Lastenaufzug, der ihn direkt ins Jahr 1938 katapultiert. Dort begegnet er Hannah, Tochter eines jüdischen Gastes, und Georg, dem Schuhputzer des Hauses: Zwei Kinder, mit denen er Freundschaft schließt und deren Schicksale ihm schnell nähergehen, als es ihm lieb sein kann.
Lechner nutzt die fantastischen Elemente nicht bloß als Spielerei, sondern als Brücke zu einer Zeit, die für jüngere Generationen immer mehr zur abstrakten Vergangenheit wird. In einer Epoche, in der Zeitzeugen kaum noch erreichbar sind, schafft der Film einen Zugang, der ohne pädagogischen Zeigefinger auskommt und gerade dadurch eindrücklich bleibt. Die Bedrohung durch den Nationalsozialismus ist zwar spürbar, aber immer durch die kindliche Perspektive gefiltert und genau hier liegt die Stärke: Geschichtsbewusstsein wird nicht erklärt, sondern erlebt.
Die drei jungen Hauptdarsteller wirken dabei ungekünstelt und reagieren mit einer erfrischenden Direktheit auf die Wendungen der Handlung. Besonders die ersten Szenen von Karlis Ausflug in die Vergangenheit haben dabei fast einen Hauch von Wes-Anderson-Charme: verschrobene Figuren, leicht entrückte Dialoge, aber immer verankert in einer deutschsprachigen Realität. Am Ende bleibt Das geheime Stockwerk nicht nur eine Abenteuergeschichte, sondern auch eine Erinnerung daran, dass Fantasie und Gedächtnis keine Gegensätze sind.
