In der Webserie „Fauner Consulting“ spielt Manuel Rubey einen Mann, der viel Zeit hat. Passenderweise landet dieser – er wird sich bald François Fauner nennen – in einer Wiener Altbauwohnung, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Fauner entdeckt in der neuen Umgebung eine Leidenschaft, für die er das nötige Talent zu haben glaubt: Er will Menschen helfen. Bei der Umsetzung dieser „Geschäftsidee“ wird er vom Besitzer der Wohnung, den im Bademantel hausenden Conrad Klaus Junior, unterstützt. Regisseur Georg Weissgram erzählt, wie die Webserie entstanden ist und wo er damit hin will.
Welche Idee stand am Beginn von Fauner Consulting und wie hat sich die Serie entwickelt?
Grundidee von Manuel Rubey und mir war, ein Projekt selbst und fernab von Produktionsfirmen und Förderstellen auf die Beine zu stellen. Die einzelnen Elemente der Serie entwickelten sich zwangsläufig aus unseren geringen Ressourcen.
Wie weit waren die 10 Episoden zu Beginn der Dreharbeiten bereits entwickelt und wie viel wurde beim Dreh noch improvisiert?
Die ersten fünf Episoden hab ich vor Drehbeginn geschrieben, die restlichen parallel zum Dreh. Die Drehbücher waren sehr detailliert, was aufgrund der verschiedenen Handlungsebenen auch notwendig war. Es gab keine dramaturgische Begleitung und wir haben beim Dreh auch nicht improvisiert. Um die Natürlichkeit der Dialoge zu fördern, war es mir aber sehr recht, wenn die Schauspieler einzelne Textpassagen umformulierten und mit ihren eigenen Worten ausdrückten. Entscheidend war aber, dass Sinn und Richtung der Dialoge erhalten bleiben.
Im Vergleich zu anderen Webserien hat Fauner Consulting mit Staffel-übergreifenden Spannungsbögen eine relativ komplexe Struktur. Welche Überlegungen haben dazu geführt?
Mir war wichtig, dass es neben den in jeder Folge abgeschlossenen Geschichten der jeweiligen Gaststars auch einige rote Fäden gibt, die sich über mehrere Folgen oder die ganze Staffel spannen. Vorbild waren weniger Webserien als die amerikanische Fernsehserien der letzten Jahre wie z.b Emergency Room, die sowohl seriell als auch episodisch funktionieren.
Die Folgen variieren im visuellen Stil und der formalen Struktur stark. Warum?
Dass der Kamerastil variiert, liegt daran, dass es drei verschiedene Kameramänner und -frauen gegeben hat. Da die Serie immer nur in einer Wohnung spielt und hauptsächlich um zwei Figuren kreist, wollte ich die Vielfalt durch stilistische und erzählerische Veränderungen ermöglichen.
Webserien wie etwa Dr. Hanno Verbier spielen mit einer vermeintlichen Authentizität ihrer Figuren, indem sie ihre Zuseher direkt ansprechen. Werden solche Elemente auch in Fauner Consulting eingesetzt?
Abgesehen von den Fauner-Werbevideos, bei denen das unumgänglich war, ist das persönliche Ansprechen des Publikums für mich ein Kunstgriff, auf den ich lieber verzichte.
In Österreich gibt es kaum Finanzierungsmittel für Webformate und kaum Plattformen zur Veröffentlichung. Wird Fauner Consulting ausschließlich auf der Website zur Serie veröffentlicht und war das von Anfang an so geplant, oder gab es alternative Überlegungen, z.B. Veröffentlichung auf Flimmit o.ä.?
Nein, wir wollten unabhängig sein und ausschließlich über unsere Homepage bzw. Youtube, wo die Episoden lagern, senden. Wir freuen uns aber wenn Plattformen, Blogs, User, etc. uns verlinken oder unsere Episoden bei sich einbetten.
In der Pressearbeit zur Serie ist von Sendestart und Hauptabendprogramm die Rede. Warum wird die Serie – zumindest augenzwinkernd – wie ein Fernsehprodukt vermarktet, anstatt das Webspezifische zu betonen?
Weil wir uns eher an klassischen Medien, Film und Fernsehen und deren Formaten orientieren. Das Ganze im Netz zu senden ist nicht ideologisch, sondern aus der Not geboren. Wie vorher gesagt, orientiere ich mich ausschließlich an Fernsehformaten. Vorbilder sind diverse aktuelle HBO-, AMC-, etc.- Serien, aber auch ältere Serien wie zb. Roseanne, The Muppet Show, Northern Exposure, Absolutly Fabulous, … die ganzen Klassiker halt.
Es ist zu beobachten, dass in deutschen Webserien viel beschäftigte Schauspieler wie Hannes Hellmann, Hanns Zischler oder Piet Fuchs mitmachen. Wie ist es gelungen, etablierte Akteure wie Simon Schwarz oder Marion Mitterhammer für das No-Buget-Projekt Fauner Consulting zu gewinnen?
Das für österreichische Verhältnisse neue Konzept war sicher ein Anreiz. Hauptsächlich ist es aber dem Einsatz von Manuel Rubey zu verdanken, der die Gaststars überzeugen konnte, bei uns mitzumachen.
Warum spielen Schauspieler/innen unbezahlt bei Webserien mit, für die im deutschsprachigen Raum derzeit keine kommerzielle Verwertbarkeit erkennbar ist?
Weil es Gott sei Dank noch Darsteller gibt, deren Lust und Interesse bei so einem Projekt mitzumachen größer ist als der Gedanke an kommerzielle Verwertbarkeit.
Wie viele Klicks hatte Fauner Consulting bis jetzt?
Folge 1 steht bei 10.000. Die restlichen Episoden folgen mit etwas Abstand.
Sie und ihr Ko-Produzent Manuel Rubey haben in bisherigen Interviews kein Hehl daraus gemacht, dass Sie sich mit Fauner Consulting für das Fernsehen „bewerben″ wollen. Welche Möglichkeiten zur Realisierung einer Serie gibt es abseits vom ORF: Sind ATV oder Puls 4 denkbare Partner?
Wir sind nach allen Seiten hin offen.
Können Sie sich vorstellen, eine zweite Staffel für das Web zu produzieren, wenn es dafür Finanzierungsmittel geben würde?
Absolut.