Politisch relevantes Actionbrett. Genrekino auf der Höhe der Zeit.
Cop Ulysses, von seiner Frau verlassen, müde und resigniert, lässt sich als Aushilfssheriff nach Normal, eine Kleinstadt im Mittleren Westen, versetzen. Doch normal ist in Normal eigentlich nichts, wie Ulysses feststellen muss, als zwei Habenichtse die Bank überfallen und bei den Yakuza im Osaka daraufhin ein Beeper losgeht. Bald schon liegt kein Stein mehr auf dem anderen.
Ulysses wird verkörpert von Bob Odenkirk, der sich in den vergangenen Jahren vor allem mit den beiden Nobody-Filmen (2021 und 2025, geschrieben von Derek Kolstadt) einen sehr guten Ruf als Actionman erarbeitet hat. Gemeinsam mit Kolstadt – der außerdem die Bücher der John Wick-Reihe verantwortet – hat Odenkirk auch das Drehbuch zum vorliegenden Klopper geschrieben. Regie führt der Engländer Ben Wheatley, dessen Filmografie mit „schillernd“ nur unzureichend beschrieben ist, die aber mit Free Fire (2016) und Meg 2: The Trench bereits beachtenswerte Einträge ins Krach- und Krawallgenre vorweist. Bekannt wurde Wheatley mit den gemeinsam mit seiner Gefährtin Amy Jump geschriebenen, mörderischen kleinen Independent-Bosheiten Kill List (2011) und Sightseers (2012). Darüberhinaus gehen semi-experimentelle Seltsamkeiten wie der von Halluzinogenen induzierte Schwarz-Weiß-Historienfilm A Field in England (2013), der gleichfalls alles andere als nüchterne In the Earth (2021) sowie zuletzt der quasi selbstgebastelte Mindfuck Bulk (2025) auf sein Konto.
In Sachen Hemmungslosigkeit und Einfallsreichtum ist auf Wheatley auch diesmal Verlass. Und auch diesmal ist der Erkenntnisgewinn beträchtlich, wohnt der Story von der Kleinstadt, die sich von den Yakuza zum Zwecke der Geldwäsche hat kaufen lassen, doch eine überzeugende allegorische Qualität inne. Anders gesagt: Kriminell ist das neue Normal. Die Kartelle haben die Konzerne abgelöst und wer ein Stück vom Kuchen abhaben will, tut gut daran, Skrupel und Moral fahren zu lassen. Daran, dass diese niederschmetternde Einschätzung direkt auf die mit MAGA-Stolz hochgehaltenen, US-amerikanischen Werte zielt, lässt Normal, der die Normalität zu Beginn mit nur leicht ironischem Unterton als Klischee in Szene setzt, keinen Zweifel aufkommen. Am Ende mag einem von all dem Geballer der Schädel brummen, noch lauter aber dröhnt es, wenn einem klar wird, dass mittlerweile nicht mehr „nur“ die Superreichen gierig und korrupt sind, sondern alle.
