Zwischen Widerstand und Mutterschaft begleitet Richard Ladkani eine indigene Anführerin im Kampf um den Amazonas.
Sie ist Kämpferin, Aktivistin, Ministerin, Mutter, Vertraute – und die Stimme eines ganzen Volkes: Juma Xipaia ist nicht nur eine außergewöhnlich mutige Frau, sondern auch die Protagonistin in Richard Ladkanis neuem Dokumentarfilm Yanuni – Die Stimme des Amazonas, der sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren durch ihren Alltag und ihre politische Arbeit begleitet. Es ist die Arbeit von Frauen wie ihr, die den indigenen Völkern im Amazonas eine Stimme geben, die sonst ungehört bleiben. Eine Welt, die von den Weißen systematisch zerstört und ausgebeutet wird, die unter Präsident Jair Bolsonaro zunehmend zum Schauplatz struktureller Gewalt wurde und die erst durch Menschen wie Juma Xipaia Stück für Stück zurückerobert wird. Schon 2009 sagt die damals gerade einmal 18-Jährige in einer Archivaufnahme: „Ich bin bereit, für mein Volk zu sterben.“ Mit 24 wird sie zur ersten Stammesführerin ihres Volkes, später steigt sie – unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva – bis in die politischen Machtzentren Brasiliens auf, in das weltweit erste Ministerium für indigene Völker. Parallel dazu kämpft ihr Partner Hugo Loss als Agent der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA gegen illegale Goldminen im Amazonasgebiet. Gemeinsam stellen sie sich einer Realität, die im Westen allzu oft ignoriert wird: ein geschütztes Gebiet, seit Jahrhunderten ausgebeutet, Ursprung von Leben und dennoch einer der wichtigsten Spielbälle globaler Interessen.
Demgegenüber steht eine Natur, die nicht Ressource, sondern Lebensgrundlage ist: ein Wald, der schützt, nährt und verbindet. In eindringlichen Bildern erzählt Ladkani parallel die Geschichte einer Frau, eines Volkes und letztlich auch die Geschichte unseres Verhältnisses zur Welt. Dramaturgisch bewegt sich der Film von Zerstörung hin zu Hoffnung, ohne einfache Lösungen zu behaupten. Yanuni – der Name von Jumas Tochter – wird dabei zum emotionalen Zentrum. Noch bevor sie geboren wird, wächst sie im Verlauf des Films heran – im Körper ihrer Mutter, im Schatten eines anhaltenden Kampfes. Ihre Geburt markiert den leisen, aber umso berührenderen Höhepunkt des Films. Benannt nach einem Vogel, steht Yanuni sinnbildlich für eine Zukunft, die noch offen ist: für eine Stimme, die gehört werden will, für einen Wald, der weiterlebt und für eine Hoffnung, die Juma Xipaia nicht aufgeben wird, egal, wie hoch der persönliche Preis ist.
