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Veranstaltung

Utopie und Reality Check beim International Film Festival Innsbruck

| Jakob Dibold |
Die 35. Ausgabe des IFFI schafft vom 2. bis 7. Juni einen Raum, in dem Kinobegeisterte, international beachtete Filmschaffende und lebendige Historie zusammenkommen

In der kommenden Ausgabe des IFFI wird in der Retrospektive eine Institution im Fokus stehen, mit der das Festival einiges verbindet: die Filmschule Escuela Internacional de Cine y TV in Kuba, kurz EICTV. 1986 mit dem Ziel gestartet, eine Ausbildungsstätte für Film jenseits eurozentrierter Logik zu sein und Filmschaffende aus Lateinamerika, Afrika und Asien zu fördern, ähnelt die Schule programmatisch dem 1992 in Innsbruck gegründeten Festival. Einer ihrer Gründer war Fernando Birri, der als ein Vater des Neuen Lateinamerikanischen Films gilt. Birri war immer wieder auch beim Festival in Innsbruck zu Gast und Filme von EICTV-Studierenden waren ebenso öfters beim IFFI vertreten. Nun gibt es die rare Gelegenheit, Werke von Absolvent*innen der EICTV zu sehen, die in Österreich noch nie oder nur selten vorgeführt wurden. Dabei ist von satirischen Kurzfilmen (etwa Oscuros Rinocerontes Enjaulados, 1990, Juan Carlos Cremata Malberti ) über Militärdiktatur-Aufarbeitung (Los Ofendidos, 2016, Marcela Zamora) bis zu politischem Zombiespaß (Juan de los muertos, 2011, Alejandro Brugués) alles dabei.

IFFI #35 versammelt natürlich auch wieder aktuelle Filme, die Außergewöhnliches zu sehen und hören anbieten. Was Fernando Birri über die EICTV sagte – „Factory of the eye and the ear, laboratory of the eye and the ear, amusement park of the eye and the ear“ solle sie sein –, ist auch ein treffendes Motto für das IFFI, das mit seiner Filmauswahl der großen globalen Vielfalt des Mediums Kinofilm hinsichtlich Produktions-, Gestaltungs und Unterhaltungs-Form Rechnung trägt.

So wird in der Programmschiene „Fokus“ der Filmemacher Lemohang Mosese vorgestellt, der mit in seinem Heimatland Lesotho spielenden Filmen sowohl unbequeme Fragen aufwirft als auch cineastisch große Freude macht. Er wird während des Festivals anwesend sein.

Zahlreiche Filmgäste sind auch in den Wettbewerben zu erwarten, in denen wie gewohnt Spielfilm- und Dokumentarfilme unterschiedlichster Art zu sehen sind. Viele dieser Filme feierten auf Festivals wie jenen in Cannes, Berlin und Locarno ihre Premieren und sind nun zum ersten Mal in Österreich zu sehen – Chancen, die es nicht zu verpassen gilt. Da wären im Spielfilmwettbewerb etwa Roya der iranischen Filmemacherin Mahnaz Mohammadi oder der unvergleichliche Olivia der Argentinierin Sofía Petersen. Unter den Dokumentarfilmen finden sich experimentelle Familienbeobachtung If Pigeons Turned to Gold (Pepa Lubojacki) und das Porträt Amílcar (Miguel Eek) über den Widerstandskämpfer Amílcar Cabral; die Lage in der DR Kongo ist dieses Jahr mit Trop c’est trop (Elisé Sawasawa) Thema. Im Publikumswettbewerb versprechen u. a. Roid (Mejbaur Rahman Sumon) und Amazomania (Nathan Grossman) auf ganz unterschiedliche Art Spannung. Und auch einen Kurzfilmwettbewerb wird es wieder geben, darin Filme mit Tirolbezug, wobei die Bandbreite an Zugängen bemerkenswert ist.

Nicht zuletzt präsentiert das IFFI #35 außerdem ein besonderes Programm in Kooperation mit dem Qyzqaras Film Festival, das in Kasachstan tabubrechende Filme von Frauen zeigt und politischer Zensur ausgesetzt ist.